Ein Sack Reis für Angie

Es gibt Wochen, in denen es hoch her geht.

So auch in dieser. Das EU-Parlament fasst sich ein (Hasen-)Herz und droht dem türkischen Sultan Erdogan mit dem Abbruch von etwas, was der sowieso nicht mehr will: den EU-Beitrittsverhandlungen. Der bekanntermaßen langmütige Potentat vom Bosporus lässt sich nicht lumpen und droht auch mit etwas, was die EU schon lange nicht mehr will: Flüchtlingen.

Liebe Meisterstrategen in Brüssel und nicht zuletzt auch in Berlin: Fahrt mal nach Ankara und lasst euch mal ein Konzept erklären, das landläufig “bessere Verhandlungsposition” genannt wird. Das hilft. Vor allem wenn man drohen will und nicht kann. Das nächste Mal besser, bevor ihr den Finger hebt.

Viel los auch in den USA. In drei möglicherweise wahlentscheidenden Staaten war die Wahl möglicherweise wahlentscheidend, wie soll man sagen, auffällig. “Wo ist da die Nachricht?”, werden sich jetzt die Älteren fragen. Richtig, das hatten wir ja schon einmal, im Jahr 2000, als George W. Bush mit auffälligen Stimmen aus dem Staat, in dem sein Bruder Gouverneur war, Präsident wurde.

Hier kommt die Nachricht: Donald Trump erkennt die 2016er Wahl trotzdem an, und das, obwohl er es war, der ständig von “rigged elections”, also gefälschten Wahlen, geredet hatte.

In einem unterscheidet sich der Politik-Anarcho Trump überhaupt nicht von den glattgebügelten Apparatschiks, die man sonst so kennt. Nämlich bei der Devise “Was geht mich mein Geschwätz von gestern an”. Im Gegenteil – er bringt es dabei zu bislang ungeahnten Höhenflügen.

War sonst noch was? Mal überlegen. Hm. In China weigerte sich ein Sack Reis, umzufallen. Ein zweiter, der daneben stand, auch. Und Angela Merkel tritt wieder an.

Die französische Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” kommt demnächst mit einer neuen Ausgabe. Bei einem Besuch der Kollegen von “hr info” zeichneten die Spötter aus Anlass der Deutschlandpremiere eine Karikatur zur Bundestagswahl 2050: Merkel im Rollstuhl unterwegs zur neuen Amtszeit.

Ohne jetzt personelle Vergleiche ziehen zu wollen: In den USA ist nach zwei Amtszeiten Schluss. Die gute Nachricht für alle Trump-Nichtversteher lautet also: Ihr müsst Euch nur acht Jahre eingraben.

Aber: Bitte dann erst mal ganz vorsichtig schauen, was dann oben (noch) so los ist …

Ganz im Ernst: Es hat schon etwas für sich, wenn Amtszeiten begrenzt sind. Aber was will die Union denn machen? Merkel hat ja alle weggebissen, die was drauf hatten. Und Seehofer ist ja auch längst eine Karikatur.

Und was treibt die Konkurrenz? Die entsorgt den beliebtsten Politiker überhaupt nach Schloss Bellevue, zelebriert erneut medienwirksam die erneute Vaterschaft des Vorsitzenden und lässt Martin Schulz nur noch ein Wort in jedes Mikrofon sprechen: “Bundespolitik”. Aber keinesfalls will man sich bei den Sozialdemokraten jetzt schon festlegen.

Ist klar, liebe SPD. Ihr wisst echt, wie man es spannend macht. Warum denn auch eine Geschichte, die ein Blinder sieht, mal so richtig nach vorne erzählen? Ne, lieber nicht. Könnte am Ende ja nach Erfolg riechen. Dann doch wieder mit so richtig angezogener Handbremse die Leute zu begeistern versuchen. Ist zwar ein Konzept, das außer euch niemand versteht. Aber immerhin habt ihr es exklusiv.

Während wir hier also im Schlafwagen so langsam Richtung Weihnachten zuckeln, bekommt in Israel der Begriff “Politik der verbrannten Erde” zurzeit eine völlig neue Dimension. Das sollte gerade in dieser Jahreszeit nicht aus dem Blick geraten. Es gibt Menschen, die haben noch echte Probleme.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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