Ein Komet für Herrn Draghi

Es gibt Wochen, in denen freut man sich vor allem.

Darmstadt (und damit ja immer auch Südhessen) ist spitze. Darmstadt hat Zukunft. Wieder einmal bestätigt im Städte-Ranking. Darauf dürfen alle, die daran mitwirken, stolz sein.

Jetzt muss die Zukunft nur noch bezahlbar sein. Wohnen zum Beispiel wird nicht nur in Darmstadt (aber da vor allem) langsam zum Luxusgut. Außerdem konnten wir dieser Tage lesen, dass die Krankenversicherungen mal wieder kräftig teurer werden. Kapitalbildende Versicherungen sind im Gegenzug komplett unrentabel. Und die Bundesregierung hat sich nach viel zu langer Vogel-Strauß-Politik jetzt endlich dazu aufgerafft, die Rente bis 2045 hochzurechnen. Ergebnis: verheerend.

Woran das alles liegt? Nicht unmaßgeblich an der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank und ihres Chefs Mario Draghi. Der sorgt dafür, dass mittlerweile so viel dummes Geld zur Stützung irgendwelcher Märkte unterwegs ist, dass man Märkte, die diesen Namen noch verdienen, langsam mit der Lupe suchen muss. Oder glauben Sie, dass zum Beispiel die Immobilienpreise noch echt sind? Eine Zukunft, die keinen Platz zum Wohnen hat und ansonsten zunehmend unbezahlbar wird, ist – genau, keine. Höchstens ein Sonderkonjunkturprogramm für politische Radikalisierung.

Die Älteren erinnern sich: Die Zinsen wurden gesenkt, weil wir in der letzten Finanzkrise reihenweise Banken retten mussten. Scheint ganz toll geklappt zu haben. Commerzbank – fast 10 000 Jobs weg. Unter anderem, weil wegen null Zinsen kein Geschäft mehr da ist. Deutsche Bank – die Dementis über staatliche Hilfsmaßnahmen werden immer lauter.

Die noch Älteren erinnern sich: Die Deutsche Bank, das waren die, die noch bis Kurzem alles unter 25 Prozent Rendite für Kleingeld hielten und grinsende Victory-Zeichen für opportune Gesten. So schnell kann es gehen.

Wir fassen jetzt einmal zusammen: Die Nullzinspolitik rettet zwar nicht die, die sie retten soll und die uns die ganze Soße überhaupt erst eingebrockt haben. Dafür setzt sie an anderen Stellen die Zukunft aufs Spiel. “Die Bank gewinnt immer”, hieß es schon immer – beim Roulette. Konnte ja keiner ahnen, dass im 21. Jahrhundert ganze Volkswirtschaften zu Casinos werden würden.

Eine Super-Idee bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wer das alles bezahlen soll, war immer: länger arbeiten. Während wir Älteren uns deshalb so langsam auf die Rente mit 73 vorbereiten, wurde auch am anderen Ende der Alterspyramide fleißig geschraubt: G8 lautete eine der Zauberformeln. Ein Jahr weniger bis zum Abi, und schon hast du als Jahrgang rein statistisch gefühlt Nullkommaperiodedrei Bankenrettungen bezahlt.

Oder so ähnlich. Der Schreiber dieser Zeilen hat in den 80-ern Abi in NRW gemacht und kann daher für seine Mathe-Note keine Gewähr übernehmen.

Trotz der segensreichen Wirkung bei den Bankenrettungen hat G8 jetzt aber zunehmend weniger Konjunktur. G9 kommt ganz groß zurück. Weil sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass G8 in Wahrheit ein gigantisches Lehrer- und Raum-Sparprogramm war? Nein, das höchstens weiterhin nur hinter vorgehaltener Hand. Die offizielle Begründung: Die Turbo-Abschlüsse bringen zu wenig. Pädagogisch! Nicht für Herrn Draghi. Okay, für den vielleicht auch. Der muss sein Geld ja mittlerweile schneller drucken als es sogar Banken verdienen können.

Rette sich also wer kann. Nur wohin? Nach Darmstadt, wohin sonst. Diese Stadt hat nicht nur Zukunft, sie macht sie: Hier kann man schließlich Weltraum, wie die “Rosetta”-Mission trotz aller Rückschläge wieder einmal gezeigt hat. Wenn der Draghi so weiter macht, schießen wir ihn einfach auf diesen Tschuri-Dingsbums-Kometen. Dann werden auch die Wohnungen wieder billiger.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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