Ein Fahrrad für den Frieden

Es gibt Wochen, die man nicht so ganz versteht.

Nach langem und zähem Ringen versuchen Hilfskonvois in Syrien, die eingeschlossenen und hungernden Menschen zu erreichen. Und was passiert? Die Fahrzeuge werden in Stücke gebombt, viele Helfer sterben.

Und was passiert danach? Russland und die USA streiten wie die Kesselflicker und schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Wobei einiges dafür spricht, dass Russland wieder einmal lügt, dass sich die Balken biegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Hunger zur Waffe werden soll.

Auch die USA müssen sich in Syrien Schweres und Schwerstes vorwerfen lassen. Mit ihrem konzeptlosen Herumeiern haben sie den Krieg erst herauf beschworen und den Weg für Putin frei gemacht. Was nichts daran ändert, dass aktuell die Schurkenrolle ziemlich eindeutig vergeben ist. Und: Würden die Amerikaner im Syrien des Jahres 2016 Zivilisten wie Tiere töten, der Aufschrei der Putin-Versteher wäre so laut wie gewiss. Blöd, dass Putin bombt. Da schweigen viele, die sonst so gerne rumkrakeelen, zurzeit sehr beredt.

Ein Putin-Versteher, der selten schweigt und bekanntlich auch mal ganz gerne lügt, ist Donald Trump. So hat er immer noch nicht seine Steuererklärung veröffentlicht. Was noch keine Untat ist. Vielleicht aber, Gelder aus einer karitativen Stiftung für private Zwecke zu verwenden. Was Trump getan haben soll.

Das Wörtchen “karitativ” leitet sich vom lateinischen “caritas” ab, was man mit “Hochachtung”, “Wertschätzung”, “Wohltätigkeit”, oder auch freier mit “göttliche Liebe” übersetzen darf. Alles Dinge, die Amerika dringend brauchen kann.

Donald Trump hat auch einmal ein Buch geschrieben, “Die Kunst des Erfolges”, das er gewohnt bescheiden als das “zweitbeste nach der Bibel” bezeichnet hat. Das darin vermittelte Motto in wörtlicher Übersetzung: “Du kannst gar nicht gierig genug sein.” Da versteht also einer “caritas” in ganz eigenem Sinne. Womöglich bis heute. Und ja, die Bibel ist besser.

Die Familie Trump stammt aus dem pfälzischen Kallstadt. Das liegt im Landkreis Bad Dürkheim. Das Saarland kann man von dort aus schon sehen. Na ja, fast. Jedenfalls gibt es, wie wir diese Woche erfahren mussten, im Saarland einen lustigen Gesellen. Der soll nach einschlägigen Recherchen mit Hakenkreuzen und Geld aus Konzentrationslagern handeln. Seine Begründung auf Nachfrage: Bestimmte Kunden seien eben “wild” darauf, und außerdem habe er nicht gewusst, dass das verboten sei.

Klar doch. Hakenkreuze. Weiß ja auch keiner, wofür die stehen und standen. Und die Kunden sind bestimmt auch nur deshalb so wild darauf, weil der Nazi-Schund halt so ungemein dekorativ ist.

Ach ja, fast hätten wir es vergessen: Der lustige Händler ist Spitzenkandidat der saarländischen AfD.

Da fällt einem doch glatt der linksversiffte Gutmenschen-Griffel aus der Hand. Oder auch nicht. So wirklich originell ist diese braune Kombination ja mittlerweile leider nicht mehr. Wo ist ein Verfassungsschutz, wenn man ihn braucht?

Hass und Intoleranz sind nicht angeboren. Gezeigt hat uns das in dieser Woche der sechsjährige Alex aus Scarsdale bei New York, der US-Präsident Obama in einem handgeschriebenen Brief fragte, ob er den fünfjährigen Omran nicht in die USA holen könne. Omrans Bild nach einem Bombenangriff auf Aleppo war kürzlich um die Welt gegangen.

Alex versicherte, auch sein Fahrrad mit Omran teilen zu wollen.

Hoffentlich kommt er nicht auf die Idee, sein Rädchen per Hilfskonvoi nach Aleppo zu schicken.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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