Dinner mit Daten

Es gibt Wochen, in denen kriegst du die Krise.

Weil man, ohne darum gebeten zu haben, etwas gründlich verordnet bekommt. Die Datenschutzgrundverordnung. Sie wissen schon, diese bürokratische Missgeburt, die selbst harmloseste Themen des Alltags in juristische Minenfelder verwandelt. Zumindest in Deutschland, wo mal wieder alle durchdrehen. Ob dies in, sagen wir mal, Malta oder Italien ähnlich verbissen gesehen wird, sei mal dahin gestellt.

In Zukunft läuft das jedenfalls bei uns mit den Daten so: Du hast ausnahmsweise mal den Hochzeitstag nicht vergessen und bestellst einen Tisch für ein romantisches Dinner. Menü einmal vegetarisch bitte. Und weil du das hinbekommen hast, denkst du, du bist jetzt mal so beziehungstechnisch ganz vorne mit dabei.

Das denkst du exakt so lange, bis du dann im Restaurant ankommst. Statt dem Chef de rang empfängt dich so ein ansonsten arbeitsloser Rechtsanwalt und nötigt dich, eine Anerkennung diverser Rechtsverstöße zu unterschreiben. Du hast zum Beispiel dem Restaurant den Namen deiner Partnerin und den Hochzeitstag verraten. Ganz schlecht. Und dann das mit dem Vegetarismus: Persönlichste Persönlichkeitsdaten einfach so ungeschützt rüber gereicht – das wird teuer.

Sie finden, liebe Leser, das ist mal wieder so eine typische journalistische Übertreibung? Dann fragen Sie doch einmal in Ihrem Bekanntenkreis (aber bitte datenschutzkonform!), was aktuell bei Sportvereinen, ehrenamtlichen Initiativen, Handwerksbetrieben oder Verwaltungen los ist. Der absolute nackte Irrsinn.

Und wir wundern uns alle, dass die EU nur so mittel beliebt ist? Ich zumindest diesmal nicht. Einen solchen Stuss kann sich nur ausdenken, wer Millionen Lichtjahre von der Realität entfernt die Steuergroschen anderer verbraucht. Oder von denen gehirngewaschen ist, die mit Daten auch weiterhin machen, was sie wollen, aber trotzdem niemals in die Verlegenheit kommen werden, Steuern zu zahlen: Google, Apple, Facebook und die Mafia.

Wir fassen zusammen: Bei einem Amazon-Einkauf werde ich auch künftig meine Bürgerrechte zuverlässig los, aber der kleinen Buchhandlung um die Ecke kann ich ab sofort zeigen, wo der Hammer hängt, wenn der Azubi den Bestellzettel nur eine Sekunde offen auf der Theke liegen lässt. Bravo, Brüssel!

Dass meine Daten auch für das Finanzamt, die GEZ, die Schufa, die Post, VW und absolut jede US-Behörde trotz der lustigen Verordnung weiterhin völlig frei zugänglich sind, ist ein Gerücht, dass wir hiermit entschieden …

Moment, bitte, das Telefon klingelt. Donald, alter Schlumpf, hast du wieder mitgelesen? Klar, darfst du, trotz Datenschutz, geschenkt. Was willst du? Tipps für ein Candlelight Dinner mit dem Dicken aus Pjöngjang? Für ein bisschen Frieden? Sorry, ich würde echt gerne helfen, aber ich darf nicht. Da springt sofort so ein Datenschutz-Kapo aus dem Gebüsch. Nein, keine Atomwaffen bitte, die helfen da auch nicht. Nur Menschenverstand. Aber der hat es nicht nur bei dir gerade allgemein echt schwer.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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