Die Welt am Kabel

Es gibt Wochen, in denen die Welt den Atem anhält.

Für elf Minuten, wenn der Twitter-Account von Donald Trump ausfällt. So wie es aussieht, hat ein Mitarbeiter des Kurznachrichtendienstes an seinem letzten Arbeitstag dem Präsidenten buchstäblich den Stecker gezogen.

Die Netzwelt rätselt nun, ob der Twitter-Mitarbeiter ein Held ist oder ein Irrer. Was hätte da nicht alles passieren können! Twitter hat unter dem Hashtag #lostpresident Sonderermittler eingesetzt. Hier weltexklusiv deren Erkenntnisse:

Nacht zum Freitag, 23.53 Uhr Ostküstenzeit: Trump merkt, dass sein Account nicht funktioniert. Er feuert drei Staatssekretäre, aber der Account streikt weiter.

Berlin, 5.54 Uhr: Angela Merkel wird wach und wundert sich, dass noch keine Beschimpfung aus Washington da ist. Dankbar schläft sie weiter. Ist ja auch anstrengend mit diesem Jamaika.

Pjöngjang, 12.25 Uhr: Kim Jong-un brüllt „Jetzt ignoriert der mich auch noch“ und lässt vor Wut eine Langstreckenrakete klar machen.

Moskau, 6.56 Uhr: Wladimir Putin fragt den diensthabenden Kreml-Troll „Waren wir das?“ Als der Troll verneint, gewinnt er eine Fahrkarte nach Sibirien.

Washington, 23.57 Uhr: Trump hat mittlerweile die halbe Einrichtung im Weißen Haus zertrümmert. Der Umstand, dass Melania das Passwort für ihren eigenen Account nicht herausrückt, entspannt die Lage nicht wirklich.

San Francisco, 20.58 Uhr: Im Twitter-Hauptquartier rücken die Marines ein und suchen auf Befehl des Präsidenten die mexikanische Kommunisten-Islamisten-Öko-Demokraten-Kanaille, die Trump abgeklemmt hat. Sie benutzen dabei den Vordereingang des Gebäudes.

Pjöngjang, 12.29 Uhr: Die Rakete ist startklar.

Washington, 0 Uhr: Im Weißen Haus klingelt das Telefon. Erdogan fragt, ob er helfen kann. Antwort: „Ruf mich nie wieder an. Wenn die Großen spielen, bist du raus.“

Vatikanstaat, 6.01 Uhr: In einer Blitzkonferenz hat Papst Franziskus den Dalai Lama, den iranischen Wächterrat und diverse Rabbiner zusammengetrommelt. Sie berufen eine Theologenkonferenz zum Thema Apokalypse ein.

San Francisco, 21.02 Uhr: Die Marines funken „Fehlanzeige“. Trump beschließt, zur Vergeltung Mexiko anzugreifen. Die Raketen sind sofort startklar.

In Pjöngjang sind sie es um 12.33 Uhr weiterhin.

San Francisco, 21.04 Uhr: Am Hintereingang des Twittergebäudes wirft ein Mitarbeiter sein Pausenbrot in einen Mülleimer und stöpselt als letzten Arbeitsgang ein loses Kabel wieder ein. Aus dem Weißen Haus kommt prompt eine Tweet-Kanonade, in der der Hashtag #makemegreatagain eine zentrale Rolle spielt. Als die übrige Welt sieht, dass alles wieder normal ist, geht sie noch einmal schlafen. Die Raketen auch.

Eine Welt, in der Macht vom Kabel einer zu groß gewordenen Nerd-Bude abhängt – ist das die Welt, in der wir leben wollen? Darüber denken wir bis nächste Woche nach. Für diese Woche war‘s das.

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