Die rechtsextreme Schnitzel-Dusche

Es gibt Wochen, in denen wirst du doch noch überrascht.

Von deinem Haarshampoo zum Beispiel. Seit Jahrzehnten begleitet dich die Marke durch dein Leben. Aber seit Kurzem prahlt sie unübersehbar auf ihrer Verpackung, dass sie jetzt vegan sei. Da würdest du am liebsten laut rufen: „Na und? Ich würde auch nicht mit Schnitzel duschen wollen. Aber in der Plastikflasche steckst du weiterhin!“ Da fragt man sich, was für den Planeten wirklich schädlicher ist …

Aber so ist es halt in diesen Zeiten: Du musst Widersprüche aushalten. Gerade beim Umweltschutz. Etwa den, dass jetzt das Coronavirus vieles von dem möglich macht, was nur kurz zuvor zur Rettung des Klimas hochoffiziell unmöglich war. Es bleiben jede Menge Flugzeuge am Boden, Telefon- oder Videokonferenzen ersetzen Dienstreisen, und … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, du Widerspruch aller Widersprüche. Du musst deine eigenen Merkwürdigkeiten aushalten. Ja klar, fand ich auch lustig von dir, dass du uns tatsächlich glauben machen willst, dass ein Taliban das Wort „Frieden“ auch nur buchstabieren kann oder will. Das meinst du aber nicht? Sondern? Ach so, du findest es seltsam, dass du bei der nächsten Präsidentenwahl der jugendliche Herausforderer sein wirst? Tja. Wenn du ein Problem damit hast, dann trete doch einfach nicht an. Das wäre für dein Land, den Planeten und den Weltfrieden insgesamt super. Musst ja nicht Veganer werden, wir sind keine Unmenschen.

Man muss zur Ehrenrettung des größten Präsidentendarstellers der letzten Woche auch sagen, dass wir Widersprüche auch ganz gut selbst können. Seit NSU, Lübcke und Hanau (um nur drei Fanale zu benennen) geloben alle, die unsere Verfassung und somit uns zu schützen haben, dass man mit rechtsextremer Gesinnung aufräumen werde und wolle. Dann schauen wir mal, wie zum Beispiel die lustige Bundeswehr diesen Vorsatz umsetzt. Bei der kannst du ganz lässig auf Instagram einen auf Holocaust-Leugner und Wehrmachtsfan machen. Aber dir passiert nichts. Stattdessen wird der rausgeschmissen, der dich gemeldet hat. So live und in Farbe dieser Tage geschehen. Ein aktiver Offizier schätzte gegenüber ARD-Kollegen 15 bis 20 Prozent des uniformierten Personals als rechtsextrem ein.

Und hier weitere Meldungen dieser Tage in Tickerform: Das BKA suspendiert Anwärter wegen Handy-Fotos von Hitler. Und in Berlin fliegt eine rechtsextreme Polizisten-Chat-Gruppe mit über 50 Mitgliedern auf.

Da hatte ich damals, als ich meinen Wehrdienst ableistete, ja noch regelrecht Glück. Als mir morgens um Viertel vor Fünf der Spieß die Botschaft ins Ohr brüllte, dass Rotland gerade Blauland angreife, vermutete ich hinter dieser Aussage zwar spontan auch eine latente politische Einseitigkeit. Allerdings hatte ich noch mehr Probleme mit der Fahne des lautstark Kommunizierenden. Sie kam definitiv nicht von rechtsdrehendem Joghurt.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich damals so, wie ich mich mit vielen anderen fühlen sollte: als Staatsbürger in Uniform. Heute frage ich mich, was mancher Uniformierte aus diesem Staat machen will und wie viele Widersprüche dieser Staat wohl noch aushält.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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One Response to Die rechtsextreme Schnitzel-Dusche

  1. Wie die Polizei mitteilte, kam das gefrorene Schnitzel an einer Ampelkreuzung geflogen. Es krachte hinten an die Scheibe des Autos einer 41-Jahrigen. Das Glas zersplitterte. Die Frau stieg daraufhin aus und entdeckte das ungewohnliche Wurfobjekt auf dem Gehweg.

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