Die Rechnung zahlt der Staat

Es gibt Wochen, in denen reibst du dir die Augen.

Im konkreten Fall über die Deutsche Bank. Die hatte kürzlich 28 Milliarden Euro – mehr als der ganze Laden zumindest aktuell überhaupt noch wert ist – nach Luxemburg überwiesen. Auf ein Konto, mittels dessen man dann – Achtung, anschnallen – auf künftige Entwicklungen spekulieren kann.

Okay, kann schon mal passieren. Vielleicht hatte der Praktikant gerade Dienst und das mit den vielen Nullen hinter der 2 und der 8 noch nicht so hundertprozentig drauf. Und vermutlich wurde auf einem der nur 32 IT-Systeme des Geldhauses zeitgleich zur Überweisung ein Software-Update eingespielt, sodass die elektronischen Sicherungen nicht anschlugen. Und die letzte Instanz – der für Controlling, Rechnungsprüfung und so‘n Gedöns zuständige Vorstand – war gerade auch beschäftigt. Er musste noch die trotz des dritten Milliardenmimus-Geschäftsjahres in Folge gezahlten Boni durchzählen und hatte das Luxemburg-Konto deshalb nicht auf dem Zettel. Und so passiert‘s dann.

Nach ein paar Tagen war das Geld wieder da, und zur Beruhigung wies die Bank darauf hin, dass es nicht eigenes Geld gewesen sei, das man da zu Wettzwecken vollelektronisch durch Europa geschubst habe.

Na dann ist ja alles gut.

Diese Finanzdienstleister, sie sind einfach zu lustig. Zwar war die Deutsche Bank in der jüngsten Krise nicht selbst akut gefährdet, aber mittelbar profitiert von Abermilliarden staatlicher Rettungsgelder hat sie auch. Und kaum ist die Krise zwar noch nicht vorbei, aber vor lauter Trump, Flüchtlingen und der Heirat von Prinz Harry aus den Schlagzeilen, da macht man lustig weiter wie eh und je.

Ich mache das jetzt einfach auch mal so. Ich gehe in ein Luxusrestaurant und lasse so richtig auffahren. Ich weiß genau, ich kann das mit eigenem Geld alles gar nicht bezahlen, aber das macht überhaupt nichts. Ich habe ja mein Zockerkonto in Luxemburg oder in irgendeiner anderen dieser praktischen Steuervermeidungsoasen.

Während ich es dann so richtig krachen lasse, checke ich ab und an mal besagtes Konto. Uh, oh, paar Nullen zu viel. Und eigentlich gehört das Geld da sowieso gar nicht hin. Das wird dann aber übel mit der Rechnung für die Party, die ich gerade feiere.

Andere kämen jetzt ins Schwitzen, aber ich nicht. Ich schlage das kleine Krisenhandbuch für Hochstapler in Nadelstreifen auf und rufe nach dem Staat. Erst mal Berlin. Man muss sich ja noch steigern können. Wenn die rumzicken, kann ich immer noch in Brüssel anrufen. Irgendjemand wird meinen Deckel schon bezahlen.

In neun von zehn Fällen klappt das. Im zehnten, wo ich dann doch selbst zahlen muss, hole ich mir diese Kohle über manipulierte Zinssätze oder andere praktische Hebelchen zurück. Clever, oder? Eben. Und weil ich so clever bin, habe ich mir den nächsten Bonus schon wieder redlich verdient.

Ich verstehe gar nicht, warum diese Branche immer noch so ein schlechtes Image hat. Der eigentliche Skandal ist doch sowieso nur der, dass das alles überhaupt rausgekommen ist!

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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