Die Rechnung, bitte

Es gibt Wochen, in denen fragst du dich, wie du wohl selbst reagiert hättest.

Wie du reagiert hättest, wenn du dich erst einmal an Polizisten vorbei bemühen musst, um in das Trauerhaus deiner Familie zu kommen. Und wenn der erste, der dir dann die Türe öffnet, einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands ist.

Und wie du dann wohl reagiert hättest, wenn du die Privatsphäre, die deine Familie über Jahre mit allen Mitteln verteidigt hat, in Gemäldegröße auf der Titelseite eben jener Zeitung findest, für die der Journalist tätig ist. Wohlgemerkt: Er ist nicht in das Haus deiner Familie eingebrochen. Man hat ihn hereingelassen, ganz offenkundig, damit er Geschichte schreibt.

Ein politisches Denkmal kann sowas natürlich trotzdem nicht erschüttern. Nur einzelne Menschen. Wir haben in diesen Tagen gelernt, dass sich hinter Lebensleistungen und darauf gründenden Denkmälern immer auch einzelne Menschen verbergen. Manches, was man dahinter sieht, ist erschütternd.

Wenn jetzt eine Überleitung gelingt, dann höchstens eine holprige: In den Tagen, in denen einer der überzeugtesten Europäer starb, begann in Brüssel der Aufgalopp zu den Brexit-Verhandlungen. Eine völlig außer Kontrolle geratene chemische Kettenreaktion, bei der die einen wie Zauberlehrlinge auf das schauten, was sie angerichtet hatten. Und die anderen schauten ratlos auf die Zauberlehrlinge.

Die Zauber-Azubine Theresa May gibt nur noch eine Parole aus: „Get done with the Job“. Auf gut Deutsch: irgendwie fertig werden. Dagegen war sogar Margaret Thatcher ein Ausbund an Lyrik. Gut, man kann Frau May tendenziell verstehen: Jetzt sind es – anders als in den Zeiten, als Frau Thatcher gefühlt zwei Drittel aller Gesprächspartner mit ihrer Handtasche unter die Tische jagte – die feixenden Buchhalter auf dem Kontinent, die in jedes Mikrofon sprechen: „We want our money back.“ Nur 100 Milliarden oder so.

Das größte Problem für die Buchhalter dürfte also darin liegen, die Gesprächspartner von der Insel irgendwie aufzurichten. Weil hingerichtet haben die sich schon selbst. Und zwar so gründlich, dass ihnen das in den nächsten Jahrzehnten keiner nachmachen dürfte. Die Wette halten wir. Und falls wir sie verlieren, gibt es gerne siebzehn Pfund fuffzich Rabatt bei der Schlussrechnung.

Mal gespannt, welche Rechnung noch aus Frankreich kommt. Wenn sich die allgemeine Macron-Begeisterung gelegt hat, wird der Retter Europas ein Preisschild an seine Pläne zu heften wissen.

Das könnte man ja mit der Schlussrechnung von der Insel bezahlen. Falls die Zauberlehrlinge sich dann nicht aus lauter Verzweiflung in ein – schottisches, nicht buchhalterisches – Loch stürzen.

Irgendwie furchtbar, dass man bei Europa immer beim Thema Geld endet. Aber am Bimbes hängt, zum Bimbes drängt eben alles. Große Europäer wussten das. Schon immer. In manchen Fällen jetzt für immer. Von diesen Fällen wird aber bestimmt niemand was zurückfordern.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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