Die Party ist vorbei

Es gibt Wochen, in denen ziehst du Vergleiche.

Jeder hat das schon einmal erlebt: Man ist auf einer Party eingeladen, wo der Gastgeber so richtig einen auf dicke Hose macht. Er fährt auf, als gebe es kein Morgen mehr. Und du stehst daneben und denkst: Das kann der sich alles schon lange nicht mehr leisten.

Aber gut, auf der Titanic hat die Kapelle ja auch bis zum Schluss gespielt. Also machst du gute Miene zum falschen Spiel.

Seltsam wird es allerdings, wenn besagter Gastgeber sich nach dem Knallen des letzten Sektkorkens zu seinen Finanziers umdreht und sagt: Ihr seid schuld, dass der Sekt alle ist. Deshalb habe ich euch nicht mehr lieb. Und ach ja, die Sause hier und die 753 davor bezahlt deshalb jetzt ihr.

Die Rede ist augenscheinlich wovon? Richtig, Italien. Schon lustig, was sich diverse Populisten südlich vom Brenner derzeit so zusammenträumen. Noch lustiger ist allerdings der Umstand, dass, wenn man den Taschenrechner auspackt, Italien sich durchaus weitere Partys leisten könnte. Geld ist da. Nur nicht überall dort, wo es gebraucht wird. Aber was sind solche Fakten schon gegen großmäulige Gesten?

Italien erweist sich damit als gelehriger Schüler des neuen Großmeisters eines mafiösen Politikstils, der zu maßgeblichen Teilen auf Lügen und Erpressung beruht. Tja, Donald, wenn du gedacht hast, du hast diese Woche mal Pause hier, muss ich dich leider enttäuschen.

Es geht ja auch immer nahtlos weiter. Strafzölle für uns, aber vor den Chinesen, die einfach zu groß sind und obendrein deine größten Gläubiger, kuschst du. Kann man so machen. Wenn man Politik mit so einer Art globaler Show verwechselt.

A propos Show: Trump hat sich übrigens doch mit Kim getroffen. Kim Kardashian. Sie wissen schon, die berühmte Berühmtheit aus Instagram, die auf Instagram so berühmt ist, weil sie berühmt ist. Frei nach dem Motto: Pjöngjang oder Plastik, Hauptsache da fallen noch drei gute Tweets bei ab.

Und die Moral von der Geschicht? Gibt es diesmal nicht. Höchstens die: Nicht alles, aber manches von dem, was uns derzeit an Rüpeleien entgegen schlägt, sind wir selbst schuld. Die halbe Welt verschuldet sich, um bei uns einkaufen zu können. Und wir behalten die Kohle für uns. Das nennt man im Technokratensprech Leistungsbilanzüberschuss. Man kann es aber auch so formulieren: Am Ende sind wir die Gastgeber mit der unbezahlbaren Party.

Darüber muss man wohl reden. Vernünftig. Nicht in Trumps Krawallshow. Nächste Woche ist G7-Gipfel in Kanada. Was haben sich die Teilnehmer derzeit eigentlich noch zu sagen? Wollen sich Merkel und Macron die nächste öffentliche Demütigung abholen? Kleiner Tipp: Der Versuch, möglichst tief ins Rektum des größten Präsidenten aller Zeiten vorzudringen, könnte eng werden. Da wohnt schon Italien. Außerdem ist die Lage zu ernst.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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