Die Makrone vom Rhein

Es gibt Wochen, in denen muss man Abbitte leisten.

Abbitte für das, was man angerichtet hat. So als Wähler. Wie können wir so dreist sein, einfach das zu wählen, was wir wollen? Immer in der Annahme, dass die gewählte Kandidatenriege damit nicht nur zurechtkommen wird, sondern auch tatsächlich will?

„Hurra, die Demokratie funktioniert wieder“, ruft es aus allen möglichen Ecken. Ja, sie hat funktioniert. Bis 17.59 Uhr am Wahlabend. Seither tritt sie mit Getöse und Gepose auf der Stelle.

Der absolute Star der Inszenierung „Regieren – nicht mit uns“ ist natürlich Christian Lindner, der ganz offensichtlich glaubt, er sei der rheinische Wiedergänger von Emmanuel Macron. Wir missachten jetzt einen ehernen Grundsatz der Journalistenzunft („Keine Witze mit Namen“) und urteilen: Nö, kein Macron. Höchstens eine Makrone. Die ist auch irgendwie gelb, zerkrümelt ähnlich widerstandslos wie liberale Prinzipien und ist, im Übermaß konsumiert, nicht gesund. Lieber nichts essen als was Falsches. Hat meine Oma schon gesagt.

Nach acht Wochen quälender Suche nach Kompromissen hat es Lindner nicht mehr ausgehalten und in heroischer Prinzipientreue die Demokratie retten wollen. Wer das glaubt, hält vermutlich auch Moskau Inkasso für die Caritas.

Nein, der Putin hat mit diesem Dilemma jetzt mal ausnahmsweise nichts zu tun.

Lassen wir also Herrn Lindner einfach weiter an seiner Karriere als Posterboy der prinzipiell prinzipienhaften Prinzipienlosigkeit arbeiten und wenden wir uns den wahren Leidtragenden der Angelegenheit zu: den Sozialdemokraten.

Da wirst du jahrelang von der Merkel aufgeraucht, rettest dich in bemitleidenswertem Zustand in die Opposition – und dann sollst du doch wieder das Vaterland retten. Also die Merkel. Was für die ein und dasselbe und somit nach zwölf Jahren das eigentliche Problem ist.

Geschichte wiederholt sich nicht, höchstens als Farce. Niemand weiß zurzeit mehr um die Wahrheit dieses Satzes als Martin Schulz.

Im Theater springt in solchen Situationen immer der deus ex machina aus der Kulisse. Also irgendein Oberchecker, der von außen kommend das Thema für die versammelten Dilettanten und Makronen sofort löst. Ist nur gerade keiner verfügbar. Jupp Heynckes sortiert Viererketten, Til Schweiger ist beleidigt, weil ihn vor der Wahl niemand gefragt hat, und Richard David Precht würde zwar furchtbar gerne, hat aber leider schon parallel einen unaufschiebbaren Friseurtermin.

Wir müssen also jetzt alleine klar kommen. Werden wir. Wir halten sogar eine schwarz-rot-gelb-grüne Koalition aus, die eine Wahl verloren hat. Also nach dem 24. September. Wer sie zufällig wiederfindet, darf sie auf dem Fundamt der Bundesrepuplik Deutschland abgeben. Da liegen schon ein paar Vitamintabletten aus der Oskar-Lafontaine-Apotheke für die SPD, eine Idee für die Zukunft der Union, ein Kompass für die Grünen und Christian Lindners Lieblingsbuch: „1001 Prinzipien – für jede Lebenslage eines“.

Das war‘s dann wieder. Bis nächste Woche.

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