Die Kabinetts-Flasche

Es sind Wochen, die sind sehr ehrlich.

Zum Beispiel dann, wenn es sichtbar wird, dass es mehr oder weniger egal ist, wer sich für einen Posten gerade mal besonders gut eignet. Hauptsache, alle sind unter. Die Augen links, wir grüßen die neue (Selbst-)Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Oder war das am Ende doch ganz anders in Berlin, als mal wieder irgendwelche Posten verteilt werden mussten? Was genau passiert in solchen Situationen eigentlich? Bislang dachten wir ja, dass das Kabinett aus 16 Mitgliedern besteht. Keine Sorge, die Zahl stimmt, einfach mal Abzählen von Altmaier bis Spahn, kommt schon hin. Aber jetzt kommt der Knaller: Topexklusive Recherchen in Berlin, für die wir keine Kosten und Mühen gescheut haben, haben ergeben, dass es noch ein siebzehntes Kabinettsmitglied gibt, das in solchen wichtigen Momenten des Nachbesetzens eine zentrale Rolle spielt: die Kabinetts-Flasche.

Nein, das ist nicht der Scheuer. Auch wenn man das meinen könnte.

Nein, das ist tatsächlich eine echte Flasche. Genauer gesagt eine leere Wodkaflasche, die gerüchtehalber der Putin dem Schröder mal als Geschenk mitgebracht hat. Und als Angela Merkel sie Jahre später beim Aufräumen fand, hat sie den Schnaps zwar weggeschüttet. Aber, ganz sparsame schwäbische Hausfrau, dachte sie „Die Flasche kann ich vielleicht noch mal brauchen. Man weiß ja nie, was noch kommt.“

Tja, und seitdem spielen sie im Kabinett Flaschendrehen, wenn mal wieder ein Posten zu vergeben ist. So auch diesmal, nachdem Europa nicht länger auf die Kompetenz Ursula von der Leyens verzichten konnte. Alle saßen im Kreis, die Chefin legte wieder die Flasche – übrigens von der Marke „Legend of Kremlin“ – auf den Boden und ließ sie kreisen. Nach ein bisschen Klackern und Klappern blieb sie stehen und zeigte auf – Jens Spahn.

Also da, wo der normalerweise sitzt. Aber er war gerade auf dem Klo, um heimlich schon sein erstes Interview in Uniform klar zu machen.

Die Kanzlerin runzelte die Stirn und ließ die Flasche erneut kreisen. Klackerdiklapp, und sie blieb genau zwischen Peter Altmaier und Olaf Scholz stehen. Unentschieden. Totales Patt. Das Ergebnis wurde auch dadurch nicht eindeutiger, dass beide im Schneidersitz schneller synchron seitwärts rutschten als Zirkusartisten, die sowas immerhin ihr (Berufs-)Leben lang machen.

Die Kanzlerin schaute böse und sagte „Beim nächsten Mal gilt es.“ Klackerdiklapp. Und wieder blieb die Flasche stehen. Und deutete auf den offenen Türrahmen. In dem Annegret Kramp-Karrenbauer stand. Die eigentlich nur nett sein wollte und ihrem schon wieder halb verhungerten Landsmann Altmaier eine leckere Lyoner bringen wollte. Der Rest ist Geschichte.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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