Die Ingenieure von Mordor

Es gibt Wochen, die stinken einfach zum Himmel.

In Wolfsburg zum Beispiel. Sie wissen schon, diese sympathische kleine Stadt am Rande des Volkswagenwerks, die seit dem Diesel-Skandal so was wie das Mordor der deutschen Wirtschaft ist: schwarz und böse.

Noch immer wissen wir nicht genau, wer wann in besagtem Skandal etwas gewusst oder veranlasst hat. Jetzt belasten einige Manager ehemalige und amtierende Vorstände schwer. Mordor, äh, der Konzern bleibt bei seiner Darstellung: Eine Gruppe böser Ingenieure hat unterhalb des Vorstandes ganz allein die Schummeleien bei den Motoren ersonnen. Die armen Bosse konnten nichts dafür. So wahr wie ein Diesel nicht stinkt.

Diese Widersprüche haben uns keine Ruhe gelassen. Wir haben recherchiert. Hier weltexklusiv die ganze Wahrheit.

An einem schwülheißen Freitag des Jahres 2007 will der Ingenieur Gosbert Pachulke (alle Namen so oder so ähnlich) früh nach Hause. Er beschließt, das auf seinem Tisch liegende Thema „Abgaswerte“ abends beim Bier mit ein paar Ingenieurs-Kumpeln zu klären.

Einige Stunden und siebzehn Pils später haben Pachulke und seine Kumpel die Lösung: „Alles zu kompliziert, dieses Umweltgedöns. Wir betrügen einfach beim Messen.“ Allgemeiner Beifall, Pachulke wirft den Grill an.

Dankwart Düsentrieb, Mitglied der Runde, erhält den Auftrag, das Thema mit den großen Zulieferern zu klären. Er verabschiedet sich mit den Worten „Kein Thema, klappt bis zum nächsten Skatabend.“ Zwei Wochen später meldet Düsentrieb mitten in einer Ramsch-Runde Vollzug.

So war das. Und dann werden jahrelang Betrüger-Motoren gebaut. Den impertinenten Ingenieuren gelingt es sogar, ihre Idee in andere Konzerne einzuschleusen, weil es da auch Ingenieure gibt, die freitags mal früh raus wollen.

Und so kommt es, dass 2015 ganz oben in Mordor – Himmel, Wolfsburg – ein Telefon klingelt. Am Apparat Angela M. aus B. Die Dame lässt anfragen, ob es denn tatsächlich stimme, dass mit Wissen der Bosse zu dreckige Motoren … Die Bosse verweisen an ihre Kommunikations-Kommandos, die Angela M. aus B. und mit ihr dem gesamten staunenden Volk folgende Kunde kundtun: „Nein, das waren nicht wir. Das war der Pachulke. Und dieser Düsentrieb ist auch so dreckig wie eine Diesel-Drosselklappe. Aber bei dem müssen wir erst noch Licht ins Dunkel bringen.“

Daraufhin legt Angela M. aus B. den Hörer wieder auf. Ein Ingenieur, den wir in der Kanalisation von Mordor aufspürten, wo er sich seit Jahren vor Angst zitternd versteckt hält, schwört, dass sie es mit diesen Worten tat: „Alles klar. Fünf Jahre brauchen Sie doch sicherlich für das Licht in Ihrem Dunkel. Wenn Sie bis dahin einen Deppen in dem Spiel brauchen, schenke ich Ihnen den Dobrindt. Der ist bei mir so überflüssig wie ein Gewissen bei Ihnen.“

So war das. Ehrlich. Dieser Pachulke will doch jetzt nur seine Haut retten. Wir bleiben dran. Bis nächste Woche.

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