Die Entdeckung der Einsamkeit

Es gibt Wochen, in denen klingelt das Telefon sofort.

Ein gewisser Wladislaw Schlawinsky aus Kiew. Er will mir sagen, was Donald T. Aus W. Außer schamlosen Erpressungsversuchen noch am Telefon vom Stapel gelassen hat. Nämlich Reisetipps: Also wenn er, Wladislaw, es mal in Moskau in einem Hotel so richtig … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Ein gewisser Herr Platin aus Moskau. Es tue ihm leid, das Telefonat mit Kiew zu unterbrechen, aber derlei Informationen unterlägen der Geheimhaltung. Falls dieser Torfkopp in Washington das nicht auch noch in die Welt posaune und am Ende deshalb in Peking um Hilfe betteln müsse.

Ja, Herr Platin, was soll ich dazu sagen? Wer solche Freunde … Moment bitte, das Telefon klingelt. Ah Donald, alter Verbalverpeiler. Wie meinen? Das ist alles ein grandioser Plan, dessen schiere Genialität aufgehen werde, sobald diese korrupten Medien … Habe aufgelegt. Diese Platte langweilt.

Hm. Auf einmal so ruhig hier. Schön. Aber warum wird es plötzlich gefühlt zehn Grad kälter im Raum? Das Telefon klingelt wieder. Herr Xi aus P. Oha. „Wir werden mit unserer Seidenstraße erst Eure Vorgärten und dann die Meinungsfreiheit planieren. Das Beste, was uns in der Zwischenzeit passieren kann, sind solche Clowns wie Trump. In dem ganzen Staub, den der aufwirbelt, können sogar wir uns prima verstecken. Ach ja, und beste Grüße an diesen Blödmannsgehilfen in London. Der macht alles nur noch besser und wird erst merken, dass wir seinen Laden gekauft haben, wenn auf seiner Porridge-Packung nur noch Han-Schriftzeichen sind.“

Puh, der Mann hat einen Plan. Was ihn von anderen unterscheidet. Aber stimmt: Um diesen Johnson muss man sich ja langsam wirklich Sorgen machen. Ich glaube, da rufen wir vorsichtshalber mal selbst an. (Bitte jetzt eine lange Wartezeit vorstellen). Hm, es geht niemand dran. Oh doch. Hallo, wer da? Die diensthabende Praktikantin? Herr Johnson ist verhindert? Weil er gerade versucht, alle Überweisungsbelege aufzuessen, mit denen er ein Apartment für die vormalige diensthabende Praktikantin … Wir wünschen alles Gute.

Tja, sieht insgesamt alles nur so mittel aus für das Konzept formerly known as western civilization. Obwohl, es gibt doch inmitten all diesen Getöses einen Hort der Stabilität und Vernunft. Der gerade erst wieder Nabelschau, äh, sorry, Nationalfeiertag hatte. Die müssen jetzt ran. Die haben Geld, Technik, wirtschaftliche Verbindungen, alles was jetzt dringend gebraucht wird. Also, Anruf in Maseru. Das ist die Hauptstadt von Lesotho. Hm, Umleitung nach Peking. Ein Fuchs, dieser Herr Xi. Und schnell.

Und Sie dachten, ich rufe jetzt in Berlin an? Der war gut. Wenn ich die Langsamkeit entdecken will, lese ich Sten Nadolny. Oder Garcia Marquez, Hundert Jahre Einsamkeit. Wenn jemand Frau Merkel aber vor 2119 wecken will: nur zu. Wird langsam echt Zeit. Sonst gibt das bis dahin nicht nur klimatechnisch die Chronik eines angekündigten Todes.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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