Dicke Luft für Diesel-Dollbohrer

Es gibt Wochen, die kommen dir selbstverständlich vor.

Weil Selbstverständliches festgestellt wird. Zum Beispiel im Fall VW: Der Bundesgerichtshof hat befunden, dass die von Volkswagen (und anderen) verkauften Schummel-Diesel ob der eingebauten Schummeleien einen „Sachmangel“ aufweisen. Auf Deutsch: Der Kunde hat nicht das bekommen, was er bestellt hat.

Schon erstaunlich, das alles: In den USA werden Kunden relativ schnell entschädigt. Gut, die haben da auch den Trump. Der bringt es noch fertig und wirft eine Atombombe auf Wolfsburg. Das motiviert in Sachen Kulanz durchaus. Der deutsche Kunde hingegen ist der Dumme und muss klagen, bis er müde wird. Immerhin könnte er jetzt Glück haben.
Könnte. Möglicherweise ruft VW jetzt noch den Europäischen Gerichtshof für Manager-Menschenrechte, das Haager Stinkstiefel-Tribunal und das Standgericht für abgestandene Produktpaletten an. Das alles sind Gerüchte, die wir … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Ein gewisser Herr Sommerkorn oder so ähnlich. Er sieht aufgrund der auf VW zukommenden Belastungen die dauerhafte Beheizbarkeit seines Koikarpfen-Teiches als gefährdet an und will daher gegen die Bundesrepublik klagen. Die Tiere seien wichtig für sein Wohlbefinden und ihm von VW-Werksärzten verschrieben worden. Ob ich Möglichkeiten für Kompromisse sehe?

Klar. Einfach die heiße Luft, die seit 2015 zur vorgeblichen Aufklärung des Dieselskandals im VW-Vorstand und Aufsichtsrat produziert wird, in den Teich leiten. Das sollte die Tierchen bis 2065 wärmen. Und für den absoluten Notfall nehmen wir noch das, was der jeweils amtierende Verkehrsminister so zum Thema von sich gibt. Mit diesem amtlichen Super-Treibstoff müssten wir wohl aufpassen, dass wir die Kois nicht zu Suppe verkochen.
Ansonsten können wir nur sagen: Erzählen Sie Ihre Wehwehchen am besten den Mitarbeitern etwa von Audi, die deren neuer Boss jetzt abräumt. DerMann ist Holländer (was für sich genommen noch kein Straftatbestand ist) und heißt Bram Schot. Schot, nicht Schrot. Auch wenn er jetzt vermutlich so wirkt.

Auch die Bürgermeister und Verkehrsplaner diverser deutscher Städte sind bestimmt ein dankbares Publikum für Ihre Sorgen, Herr Sommerkorn. Wurde denen doch fast schon langweilig bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wie man all die Durchfahrtverbote und Straßensperrungen für Diesel demnächst kontrollieren will. Automatisches Blitzen ist verboten, blaue Plaketten gibt es nicht, die Polizei hat tatsächlich Besseres zu tun – wir sind gespannt, wie man das lösen könnte.

Und – Simsalabim – schon sickert die Lösung aus gut informierten Wolfsburger Kreisen hier weltexklusiv durch: Das machen alles der Sommerkorn und die anderen, die über Jahre beschissen haben. Die haben ja jetzt Zeit, stellen sich an die Straßenränder und werden dort durch das Programm „Dieselfahrer treffen Dieseldollbohrer“ resozialisiert. Die Kois kommen so lange zu Pflegeeltern. Wir sind ja keine Unmenschen.
Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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