Der Teufel kauft Schlittschuhe

Es gibt Wochen, in denen gerät man ins Schwanken.

Wie der junge Mann auf dem Motorroller, der mit ziemlichem Tempo durch die Stadt brettert. Sie wissen schon, eines dieser Gefährte, auf die eine Transportbox für Lebensmittel montiert ist. In diesem Fall handelt es sich um einen Burger-Lieferanten.

Der junge Mann schwankt ganz schön, nimmt jedes Schlagloch mit und legt sich in die eine oder andere Kurve, als trainiere er für den nächsten Motorrad-Grand Prix. Man mag sich gar nicht vorstellen, was das mit den Burgern macht.

Ja ja, schon klar: Wahrscheinlich ist diese rasende Burger-Box so bombensicher, dass sie sogar Walter-Röhrl-Gedächtnis-Piloten am Liefer-Lenkrad neutralisiert. Aber will ich das? Brauche ich das?

Ich beantworte diese Frage für mich mit Nein. Erst recht, weil der rasende Futter-Flitzer eine gefühlte Ewigkeit vor mir her fährt, bevor er anhält und die Box aufklappt. Selbst wenn sein Transportgut mittlerweile nicht die Konsistenz von Eintopf hat: Sie kann auch nicht mehr wirklich frisch sein.

Das Ganze kann – wie bei all den Kleinlastern, Autos, E-Bikes und Fahrrädern, die vor allem in den Städten mittlerweile gefühlt jeden einzelnen Brühwürfel individuell zustellen – sowieso nur ein Geschäftsmodell sein, wenn am Lenker nicht viel verdient wird (oder wenn beim Außer-Haus-Verkauf das Finanzamt getunnelt wird, aber das ist eine andere Geschichte). Wir erleben die rollende Rückkehr in die Dienstbotengesellschaft.

Deshalb streiken sie ja jetzt auch bei Ryanair. Irgendwann frisst der Wahn des „Immer billiger“ sein eigenes System. Ryan-Boss Michael O‘Leary, die rhetorische Splitterbombe unter den Managern, hat aus diesem Anlass verlauten lassen, eher werde die Hölle zufrieren, als dass er mit Gewerkschaften Tarifverträge abschließe.

Nun: Dass der Teufel kürzlich beim Hübner am Darmstädter Ludwigsplatz ein Paar Schlittschuhe gekauft hat, ist ein Gerücht, dass wir hiermit bestätigen.

Zurück zur Verkehrslage: Die Deutsche Bahn – immer wieder unfreiwilliger Gag-Lieferant – hat seit Neuestem ein Luxus-Problem. Auf einmal wollen so viele Leute mit ihr fahren (vielleicht auch, weil die Luftfahrerei aktuell eine ziemlich chaotische Angelegenheit geworden ist), dass sie unter der Masse an Kunden schier zusammenbricht. Und warum? Kein Personal, kein Material, keine Schienen, kein Geld.

Die Bahn reiht sich somit ein in die eher länger als kürzer werdende Reihe von Unternehmen und Dienstleistern, die für sich über Jahre die tiefere Bedeutung des folgenden Satzes systematisch ergründet haben: Billig ist am Ende fast immer teurer als richtig.

Für irgendjemanden auf jeden Fall. Als der Burger-Bote hektisch seine Box aufklappte, fiel ihm deren Inhalt herunter auf den Burger,… sorry, Bürgersteig. In diesem Moment hat er mir endgültig leidgetan.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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