Der goldene Grenz-Horst

Es gibt Wochen, in denen fällst du vom Sockel.

So wie der güldene Erdogan, mit dem jetzt ein paar total intellektuelle Überflieger in Wiesbaden dem tumben Volke mal zeigen wollten, wie total intellektuelle Provokation geht. Blöd, dass das wie üblich völlig vernagelte Volk die Botschaft nicht verstand und sich stattdessen vor lauter Unverständnis fast an die Gurgel ging. Polizei und Feuerwehr mussten wieder mal die Drecksarbeit machen. Die total intellektuellen Provokateure zogen sich daraufhin hinter ihre Kulissen zurück und blubberten perlend wie Sekt halblaut, dass man möglicherweise die Aktion hätte besser erklären müssen.

Merke: Kunst muss man nicht erklären, sie wirkt. Was immer relativierend erklärt werden muss, ist keine Kunst, sondern entweder gefährlich oder unnötig. Oder Publikumsbeschimpfung ca. anno 1969, die zumindest in Wiesbaden offenbar noch als provokationsträchtig erachtet wird.

Wir überlegen jetzt mal vor diesem Hintergrund, wen man noch so alles auf einen Sockel stellen könnte. Vorschlag Nummer eins: Wladimir Putin. In Chemnitz oder Dresden. Oder da wie dort. Die geradezu hymnische Verehrung, die dem größten Friedensstifter zwischen Donbass und Damaskus auch links und rechts der Elbe entgegenschlägt, ist schon eine Statue wert. Als ihr Bewacher hat sich übrigens Wotan-Wunibert gemeldet. Sie wissen schon, der lustige LKA-Mitarbeiter aus Sachsen mit dem noch lustigeren Hut. Er musste jetzt bei der Polizei seinen Hut nehmen, bleibt aber im Staatsdienst. Er darf also weiter mit Pensionsanspruch pöbeln. Auf so jemand lächelt der güldene Wladimir bestimmt sehr gerne herab.

Vorschlag Nummer zwei: Horst Seehofer. Irgendwie macht er sich ja ziemlich rar in letzter Zeit, nachdem er noch bis zu den Sommerferien an keinem Mikro vorbei gehen konnte, ohne ungefragt das Wort „Grenzkontrolle“ hinein zu sprechen. Wenn wir jetzt alle zwanzig Meter an die bayerischen Außengrenzen so einen goldenen Horst stellen, hilft das zum einen daran zu erinnern, dass wir auch nach Chemnitz noch einen Innenminister haben. Und zum anderen bewegt es vielleicht den einen oder anderen, der die Grenze übertreten will, zur Umkehr. Weil ein solcher Anblick jede Hoffnung zunichtemachen würde, dass hinter diesem Anblick ein von vernunftbegabten Wesen bewohntes Land liegt.

Dass aus exakt diesen beiden Gründen im Bundesinnenministerium bereits eine Arbeitsgruppe mit dem Namen „Win Win“ gegründet worden ist, ist ein Gerücht, das wir hiermit … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald. Ich wusste, dass du anrufst. Gold, groß, glitzernd, klar, das zieht dich an wie sonst nur Wochenende und Golfplätze. Ich habe nur keine Ahnung, wo wir dich hinstellen könnten. In der Antarktis wäre noch was frei. Wenn wir das tierschutztechnisch den Pinguinen zumuten können. Moment bitte, das andere Telefon klingelt.

Der Wiesbadener Oberbürgermeister. Er bittet darum, von dir, Donald, verschont zu werden. Den Erdogan habe er ja noch für Kunst gehalten, aber du seiest unerklärbar. Macht das bitte unter Euch aus. Wenn möglich ohne Polizei und Feuerwehr.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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