Der Bundestag darf eine Rolle spielen

Und wieder ist eine Woche vorbei. Eine turbulente, an deren Beginn man nicht unbedingt hätte vermuten können, dass der Abgesang auf das Stadion am Böllenfalltor jetzt auch offiziell herausgepresst wird. Steht eine neue Bleibe für die Lilien am Ende irgendwo in den Weiten des Landkreises Darmstadt-Dieburg? Verrückt.

Vielleicht kommt man irgendwann sogar auf noch verrücktere Ideen. So was wie einen ICE-Halt für Darmstadt etwa. Oder einen neuen Tunnel in – sorry, stop, vertraulich. Nicht, dass jemand dem ECHO noch nachsagen würde, jede Story auf Teufel komm raus haben zu wollen.

Bleiben wir trotzdem noch einen Moment beim Stichwort Tunnel. Was passiert nach der Entscheidung für den Brexit eigentlich mit dem Euro-Tunnel zwischen Calais und Dover? Wird der jetzt geflutet? Von den Grenadier Guards mit ihren kleidsamen Bärenfellmützen bewacht?

Wir hätten da noch eine weitere Idee: Wir schicken Boris Johnson und einige andere in den Tunnel, zum Nachdenken. Oder in eine aufgelassene Kohlemine in Yorkshire. Dort müssen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten über folgenden Satz sinnieren: Um wie viel ist Zerstören eigentlich leichter als Aufbauen?

Die aktuelle Buchmacherquote steht bei “Sechs Monate Johnson und Konsorten langen für sechzig Jahre Arbeit von Menschen mit Verstand und Ehre”. Und auf die Wette, ob die Kaputtmacher beim politischen Neuaufbau kneifen würden wie Mimosen, hätte es keinen Cent gegeben. Die Jungs mit den Tippscheinen vermeiden ein absehbar schlechtes Geschäft, wenn sie es sehen.

So, das war’s dann vorerst mit dem Brexit. Sprung auf einen anderen Kontinent: In den USA ist ein Autofahrer mit seinem autonom fahrenden Tesla zu Tode gekommen, weil die Technik nach Lage der Dinge einen Lkw nicht als Hindernis erkannt hat. Das Unternehmen legt Wert darauf, dass auch bei autonomem Fahrbetrieb der (menschliche) Fahrer die Verantwortung trage und die Hände am Steuer behalten müsse. Kennt man ja, so was. Steht wahrscheinlich irgendwo auf Seite 2476 klein gedruckt in den AGBs.

Hätte es sich bei dem fraglichen Fahrzeug um einen VW gehandelt, stünden vermutlich schon 2476 Anwälte bereit, um Schadenersatzklagen in Höhe des jährlichen deutschen Bruttosozialproduktes durchzufechten.

Hat da jemand Ceta gerufen? Oder TTIP? Also bitte, jetzt aber sachlich bleiben…

Jean Claude Juncker – der Erfinder des Steuerspar-Paradieses, das manche Geografen immer noch hartnäckig Luxemburg nennen – ist so einer dieser sachlichen Typen, die man einfach lieben muss. Sein jüngster Vorschlag: Warum transnationale Handelsabkommen wie eben Ceta von gewählten Parlamentariern ratifizieren lassen? Dauert viel zu lange, dieser demokratische Unsinn. Und kann am Ende auch noch schief gehen…

Die Kanzlerin musste darauf natürlich reagieren. Sie sprach dem Bundestag ihr uneingeschränktes Vertrauen aus und versicherte, das Parlament werde bei Ceta “eine Rolle spielen”.

Die 630 Berliner Abgeordneten freuen sich angesichts solcher Komplimente Löcher in die Hosen. Gut, es hätte schlimmer kommen können. In manchen Parlamenten – etwa dem rheinland-pfälzischen Landtag – stehen Volksvertreter parteiübergreifend fassungslos vor Scherbenhaufen, die Regierungen anrichten können. Etwa, indem sie wie mit Hahn ganze Flughäfen an chinesische Briefkastenfirmen verscherbeln. Ganz spontan will man da gar keine Rolle mehr spielen…

Die Hessen hängen am Hahn auch drin. Aber nur marginal. Und denken wahrscheinlich insgeheim: “Gottlob ist in Calden so wenig los, so was kann uns nicht passieren.”

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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