Datenschutz ist einfach Wurst

Es gibt Wochen, in denen kommst du aus dem Staunen kaum heraus.

Ein 20-jähriger Einzeltäter schafft es, das Land in Sachen Datensicherheit in Atem zu halten. Jetzt glauben wir einmal um dieses Textes willen, dass wir tatsächlich schon alles wissen, was wir wissen sollten, und versuchen uns auf dieser Basis an einer Aufarbeitung der Frage, warum es so lange gedauert hat, bis die Sache in ihrer Brisanz erkannt wurde.

Bonn, an einem tristen Dezembermorgen. Im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht ein Alarmlämpchen an: Irgendjemand hat den Twitteraccount von Horst Seehofer gehackt. Brisanteste Informationen – zum Beispiel ein Link zu des Ministers noch unveröffentlichten Gedichtsammlung über Angela Merkel – drohen an die Öffentlichkeit zu geraten. Der diensthabende Beamte macht eine Meldung ans Innenministerium in Berlin.

Dort sind alle – es ist kurz vor Weihnachten – auf einer Glühweinparty. Die Warnmeldung landet also beim Hausmeister. Der hat seine Lesebrille vergessen und denkt sich „War das mit diesem BSE nicht längst vorbei?Na egal.“

Pflichtbewusst leitet der Hausmeister die Meldung nach Neustadt am Rübenberge weiter. Dort sitzt das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Dessen Mitarbeiter können sich auf die Mitteilung keinen Reim machen und löschen sie. Ein Ausdruck landet in einem Papierkorb.

Beim Aufräumen findet eine Putzkraft den Ausdruck und denkt sich, dass bei BSE vielleicht für den Schwager des Cousins des Halbbruders eine billige Fuhre Fleisch drin sein könnte. Nur wenige Stunden später ploppt im Darknet ein eindeutiges Angebot hoch.

Dort geht der Kaufwillige Zielfahndern des saarländischen Landeskriminalamts ins Netz, die eigentlich auf der Suche nach einer Bande waren, die mit gefälschten Lyoner Würsten für Aufregung gesorgt hatte.

Über Weihnachten tauchen im Netz erste Verse der an Angela Merkel gerichteten Gedichte auf. Sie sind so unfassbar schlecht, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters vor Wut mit der Faust auf den Tisch haut und das BKA einschaltet. Das gründet die Soko „Erschütternde Schüttelreime“, und dann geht alles ganz schnell.

Die Soko lässt den diensthabenden Praktikanten alle seltsamen Fälle der letzten Wochen scannen. Nach nur zwei Wochen findet er den aus dem Saarland. Der durchaus hart gesottene Fleischkäufer wird daraufhin so lange in einem Wiesbadener Verhörkeller mit weiteren Textpassagen aus der Gedichtsammlung traktiert, bis er unter schrillen Schreien gesteht, im Darknet einem gewissen „King of Ahle Worscht“ begegnet zu sein. Die Spur führte nach also Mittelhessen, der Rest ist kriminalistische Zeitgeschichte.

So war das. Ehrlich. Soll mal einer sagen, wir wären bei solchen Themen nicht kompetent und föderal auf Zack.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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