Das Sauerland ist nur so mittel

Es gibt Wochen, in denen fühlst du dich irgendwie ziemlich gespalten.

Weil du endlich gelernt hast, warum so viele Menschen auf der Welt unbedingt Deutschland zu ihrer Heimat machen wollen. Bislang dachtest du, das liegt an solchen Kleinigkeiten wie dem individuellen Grundrecht auf Asyl. Oder – Achtung, der Sarkasmusgenerator springt an – daran, dass du hierzulande irgendwie mit acht Tarnidentitäten gleichzeitig ausgestattet sein kannst, ohne dass dir der Staatsapparat deshalb bereits zwanghaft auf die Pelle rückt. Was sowohl beim Kassieren von Sozialleistungen oder auch beim Vermeiden von akuter Strafverfolgung tendenziell ungemein praktisch sein kann.

Aber nichts davon ist wahr. Die simple Wahrheit ist, dass es bei uns einfach Brei vom Himmel regnet. Von wem wir das gelernt haben? Na von Friedrich Merz natürlich, dem fidelen Polit-Frührentner, der sich anschickt, die CDU vor dem Untergang zu retten. Er hat uns nämlich gesagt, was man hierzulande durchaus auf der Naht haben kann, um lediglich als obere Mittelklasse durchzugehen: ein tendenziell siebenstelliges Jahreseinkommen, diverse Aufsichtsratsmandate, Privatflieger und freie Sicht auf die Hügel des Sauerlandes (gut, Letztere könnte man als einkommensmindernd geltend machen).

Im Ernst: Es hat nichts mit Neid zu tun, wenn man den fidelen Friedrich darauf hinweist, dass derlei Einlassungen nicht nur dämlich sind, sondern auch gefährlich. Sie sind mindestens Belege für Realitätsferne oder, sofern in vollem Bewusstsein für die tatsächlichen Gegebenheiten in diesem unserem Lande ausgesprochen, einfach nur eine Verhöhnung der wahren Mittelschicht. Das ist die, die immer noch den Karren zieht. Und auch ohne solchen verbalen Blödsinn aus Arnsberg längst immer lauter murrt.

Was man dem fidelen Friedrich vielleicht wirklich mal … Moment bitte, das Telefon klingelt. Donald, altes Haus, bist du nicht an der Grenze? Zu Mexiko oder zu allem? Ja, ich weiß, dass man mit dem Jahreseinkommen vom Friedrich bei dir noch nicht einmal im Golfclub die Bourbon-Gläser polieren dürfte. Aber hältst du das wirklich für ein erstrebenswertes Ziel?

Irgendwie muss der fidele Friedrich gemerkt haben, dass er nur so einen mittelguten Kracher gelandet hat. Also robbt er sich asyltechnisch noch näher an die vermeintliche Volksseele heran und interpretiert das Grundgesetz rauf und runter. Wir hätten ihn – ganz ehrlich – tatsächlich für klüger gehalten. Oder wenigstens cooler. Hat wohl trotz Polit-Frührente immer noch eine kurze Lunte, der Friedrich. Fast wären wir darauf reingefallen.

Es gab mal Zeiten in diesem Land, da wurden Wahlen und andere Richtungsentscheidungen unter dem Motto „Versöhnen statt spalten“ geführt. Und just in diesen Zeiten konnten die sogenannten Volksparteien (jeweils!) noch mit über 40 Prozent kalkulieren. Sachen gibt‘s …

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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