Berlin, wir haben ein Problem

Es gibt Wochen, die sind heiß.

Zum Beispiel auf der Sonne, zu der die Europäische Raumfahrtorganisation ESA dieser Tage die Sonde „Solar Orbiter“ geschickt hat. Was niemand weiß: Es gibt eine weitere Sonde namens „Berlin Orbiter“, die erkunden soll, warum aktuell auch in der Hauptstadt manches heiß läuft. Wir haben uns Top Secret ins Darmstädter ESA-Kontrollzentrum geschlichen und den Funkverkehr von „Berlin Orbiter“ belauscht.

Als erstes traf die Sonde am Berliner Stadtrand auf einen Mann, der auf einer blau-gelben Apfelsinenkiste stand und ständig „Lieber falsch regieren als nie mehr gefragt werden“ rief. Er war ganz allein, nur eine mit den Augen rollende Praktikantin hörte ihm zu. Und sagte: „Christian, dir hört keiner mehr zu. Gib‘s doch auf.“

Die Sonde flog weiter, die Temperatur stieg. Sie passierte eine Art bayerischen Biergarten, in dem ein Mann, auf dessen Namensschild „Vollhorst“ stand, einen anderen ziemlich gegelten Typen ziemlich niederbrüllte: „Du machst jetzt erst mal gar nichts mehr, sonst scheuer ich dir eine. Wir warten, bis SIE die Karre auch für uns aus dem Dreck gezogen hat.“ Ein dritter rülpste ein bestätigendes Geräusch, das so ähnlich klang wie „Söderistdas“, in seinen Maßkrug.

Es wurde heißer und heißer. Die Sonde kam zu einer Gruppe betreten schauender Menschen, die ängstlich die Köpfe zwischen die Schultern nahm. „Wir müssen aufpassen, dass jetzt nicht wieder alle denken, wir sind an allem schuld“, sagte einer von ihnen. „Genau, wir machen eine Mitgliederbefragung: Wollen wir nicht schuld sein an Thüringen? Es muss endlich wieder klar sein, wofür die SPD steht“, rief ein zweiter. Und schob zitternd vor Furcht nach: „Es ist doch SIE schuld.“

Das Bild der Sondenkamera flimmerte. Kurz glaubte man das Bild einer gigantisch großen, offensichtlich sehr zornigen Frau im Hosenanzug zu sehen. Aber dann war auf einmal alles grün. Ein Partybus hatte neben der Sonde angehalten. Seine Insassen waren ausgestiegen und hatten die Linse der Sonde mit Graffiti besprüht. Natürlich hat so ein High-Tech-Teil einen Selbstreinigungsmechanismus. Als das Bild wieder da war, sah man den Bus in der Ferne. An seinem Heck hing ein Transparent: „Wir retten die Welt, ob sie uns will oder nicht“.

Es wurde immer heißer, die Sonde zerfiel kurz vor dem Stadtzentrum langsam in ihre Einzelteile. Letzte verzerrte Bilder zeigten braune Dämpfe, die aus der Kanalisation qualmten. Ein Mann torkelte durch die Szene, lachte diabolisch und schrie „Heute hass ich, morgen hau ich, und Übermorgen …“ Ein Mann ohne Gesicht trat ihm entgegen. Auf seinem T-Shirt stand „Ich bin das Volk“. Er trug ein Plakat mit der Aufschrift „Nur echte Kamele finden Höcker toll.“ Der Schreihals holte grinsend zum Schlag gegen ihn aus – da riss das Bild endgültig ab.

Im Darmstädter Kontrollzentrum herrschte Schweigen. Jemand murmelte: „Berlin, wir haben ein Problem.“ Ein Telefon klingelte. Niemand interessierte, wer dran sein mochte.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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