Bart Simpson hat es gewusst

Es gibt Wochen, in denen man einfach mal durchatmen muss.

Der erste Pulverdampf nach der US-Wahl hat sich verzogen, Obama reist durch die Welt und versucht, Trump zu erklären. Und die Kanzlerin schickt Ermahnungen über den Großen Teich, die früher eher den Adressat, na sagen wir mal Peking, getragen hätten. So von wegen Werte achten und so. Letztlich ist das aber alles noch Kaffeesatzleserei. Kein Mensch weiß schon in Gänze, was Trump will. Er selbst auch nicht.

Zeit also, sich auch mal wieder anderen Themen zuzuwenden. Dem Brexit zum Beispiel. Die lustigen Separatisten schicken ihren noch lustigeren Außenminister Boris Johnson vor, der sondiert, ob man zwar aus der EU austreten könne, aber zu unveränderten wirtschaftlichen Konditionen. Für so viel Frechheit ist der Begriff “Rosinenpickerei” eigentlich viel zu süß.

Die Antwort kam dann gottlob prompt aus Italien, mit der angebracht humorlosen Härte eines Catenaccio-Fußballers: Noch so eine Nummer, liebe britische Freunde, und ihr könnt ja mal sehen, wo ihr Euren Krempel noch verkauft bekommt.

Für alle die, die jetzt gerade weder ein Italienisch-Wörterbuch noch ein Lexikon der Fußballhistorie zur Hand haben: Catenaccio war ein Spielsystem, bei dem Abwehrreihen gegnerische Schienbeine im wesentlich als zu perforierende Masse betrachten sollten.

Die destruktive Treterei ist auf dem grünen Rasen mittlerweile ziemlich aus der Mode gekommen. In der hohen Politik hingegen scheinen artverwandte Verhaltungsweisen noch Konjunktur zu haben. Der Amerika- und Kopierer-Versteher Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg etwa verstieg sich mit Blick auf Angela Merkel und Donald Trump zu der Analyse: “Da trifft Bart Simpson auf Mutter Teresa.”

Ihro Hochwohlgeboren, dazu sagen wir erstens Folgendes: De mortuis nihil nisi bene. Als klassisch gebildeter Humanist, der Sie bestimmt sind, können Sie das übersetzen. Gerne auch frei: Tote können sich gegen bescheuerte Vergleiche nicht mehr wehren, da hält man eigentlich schon aus Anstand den Mund.

Zweitens: Kennen Sie Bart Simpson wirklich? Das “Time Magazine” hat Bart zu den 100 wichtigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gewählt. Weil er uns den Spiegel vorhält.

Okay, es nützt ihm nicht wirklich etwas. Im Auftakt jeder “Simpsons”-Folge steht er trotzdem an der Tafel und muss sie vollschreiben, weil er mal wieder was ausgefressen hat.

Man stelle sich vor, Trump steht an der Tafel und soll wie Bart zur Strafe irgendwas schreiben. Etwa: “Auch andere Menschen dürfen eine Meinung haben.” Können Sie sich das auch nur eine Sekunde lang vorstellen? Eben. Eher würde er die Tafel in Stücke schlagen. Und wenn er auf einem der Trümmer die Aufschrift “Hecho en Mexico” oder auch “Made in China” finden würde, dann müssten wir aber ganz schnell den Koffer mit den Atom-Codes wegräumen.

Also, werter Freiherr, jetzt sind Sie es, der sich einmal an die Tafel stellt und folgendes immer wieder aufschreibt: “Niemanden interessiert, was ich sage. Und wenn es noch so zackig klingt.”

Außerdem war die gesamte brillante Analyse ja mal wieder nur gekl…, kop…, ach, was wissen wir denn. Jedenfalls haben die “Simpsons” schon vor sechzehn Jahren Trump als Präsident vorausgesagt.

Uff. Tief durchatmen. Und darüber freuen, dass Politik aus Einsicht auch noch funktionieren kann. Der Klima-Gipfel in Marrakesch hat das bewiesen. Es geht auch mal weiter, trotz des ganzen Trump-Getöses.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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