Atombomben und Geistesblitze

Es gibt Wochen, die sind überraschend.

Weil nämlich … Moment bitte, das Telefon klingelt. Huch, Überraschung, wer ist da bitte? Melanie? Kenne niemanden, der so heißt. Wie meinen? Ach Melania? Oh. Ja, sehr geehrte Frau Präsidentenertragerin, was kann ich für Sie tun? Sie wollen erzählen, was nachts im Schlafzimmer so los …? Äh, also, das hier ist eine Familienzeitung …

Ach so, es geht nur um Politik. Ja dann ist das ja harmlos. Wir sind gespannt. Neulich, in Venezuela zum Beispiel. Der Präsident hatte den Tweet schon fertig, in dem er androhte, mit einem Flugzeugträger den Maracaibosee und damit die Ölexporte zu blockieren. Und was haben Sie gemacht? Das WLAN abgeschaltet? Klar, Sie kennen ihn ja gut. Er hat dann vor Wut den Router in Stücke gehauen, und dann war erst mal Essig mit twittern. Clever.

Schwieriger war schon die Nummer mit der Schweiz. Da liegt ja das ganze Geld, das die Deutschen, die Chinesen und andere wirtschaftspolitische Foulspieler der braven USA abspenstig machen. Als der Präsident damit drohen wollte, die Luftwaffe aufsteigen und tonnenweise vergammelten Käse über Zürich und Genf abzuwerfen, wie genau haben Sie das verhindert? Ah, schnell selbst einen Tweet von einem Fake-Account abgesetzt, in dem zu lesen stand, dass Käse voller Löcher ist und deshalb für ein Flächenbombardement relativ ungeeignet. Und das hat er geschluckt? Es geht doch nichts über Menschenkenntnis.

Manches lässt sich nur noch teilweise weggrätschen. Das mit dem italienischen Präsidenten zum Beispiel. Der Präsident wollte ihn „Mortadella“ nennen. Als Sie, Frau Präsidentenbändigerin, den Präsidenten darauf hinwiesen, dass Präsident Sergio Mattarella Sergio Mattarella heiße und beim Umtaufen in Mortadella vielleicht zur beleidigten Leberwurst mutieren könne, hat der Präsident ihn kurzerhand „Mozzarella“ genannt. Entweder, weil er schlecht hört – er ist ja nicht mehr der Jüngste – oder weil ihm das mit dem Käse wieder eingefallen ist. Wer weiß schon, auf welche Geistesblitze stabile Genies so kommen.

Am härtesten war allerdings Kiribati. Sie wissen schon, dieser kleine Inselstaat im Pazifik. Als ihn der Präsident erst nach stundenlanger Suche auf dem Globus tatsächlich entdeckte, war er darüber so sauer, dass er beschloss, ihn von der Landkarte zu radieren. Der Tweet mit der Anweisung zur Aushändigung des Atomkoffers war schon fast fertig, da haben Sie ihm noch mal den Globus gereicht? Von dem Sie dann Kiribati mit einem echten Ratzefummel entfernt und dazu „Donald, das ist doch nur ein Fake-Staat“ gesagt hatten? Das war aber knapp für Kiribati.

Frau Präsidentenbewältigerin, wir zollen Ihnen höchsten Respekt. Sie sind trotzdem traurig? Warum? Sie können nicht immer zur Stelle sein. Ja, leider. Da waren Sie einmal kurz aus dem Zimmer und konnten den Tweet „Du kannst die Nummer in Syrien durchziehen, Recep“ nicht mehr abfangen. Aber das werfen wir Ihnen keinesfalls vor. Lassen Sie sich trotzdem nicht entmutigen. Und Sie können hier immer anrufen. Versprochen.

Das war‘s dann wieder – bis hoffentlich nächste Woche.

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