Anstand und Akten dringend gesucht

Es gibt Wochen, in denen sammelt man. Zitate.

  • Wenn wir kommen, wird ausgemistet. Bernd Höcke
  • Gegner an die Wand stellen, eine Grube ausheben und dann Löschkalk oben drauf. Holger Arppe
  • Ein Sturmgewehr als Antifa-Neutralisator. Toll. Haben will. Ronald Gläser
  • Wir schießen den Weg frei. Maximilian Krah
  • Wir werden sie jagen. Alexander Gauland
  • Wir werden auf den Gräbern tanzen. Andreas Kalbitz
  • Wir sind nicht da, um Merkel zu jagen. Wir sind da, um sie zu erlegen. Nicolaus Fest

Quizfrage, liebe Leser: Was verbindet die Absender dieser Zitate? Richtig, eine Partei mit Gewaltproblem. Kleiner Lösungs-Tipp: Einer der genannten Vornamen war vielleicht falsch, der Typ nuschelt immer so, kann am Ende gar kein rechtes Deutsch, der Arme. Und ein anderer Zitatgeber hat sich mittlerweile neu orientiert. Möglicherweise, weil ihm die alten Kumpel zu lasch waren.

Zur Klarstellung: Mit Gewalt hat diese Partei selbst offenkundig nicht wirklich ein Problem. Problematisch ist allerdings, dass sie und ihr noch üblerer Dunstkreis Gewalt salonfähig gemacht haben. Ein CDU-Politiker hat das jetzt mit dem Leben bezahlt. Andere, quer durch das Parteienspektrum, haben Attacken knapp überlebt oder sehen sich massiven Bedrohungen ausgesetzt.

Soll niemand sagen, er habe von nichts wissen können.

Die Nation rätselt derweil, ob der im Fall Lübcke dringend Tatverdächtige ein verwirrter Einzeltäter ist. Verwirrt ist man auch beim Hessischen Verfassungsschutz, der den Verdächtigen entfernt kannte. Verwirrt deshalb, weil dessen Akte einen unklaren Status hat. Im Prinzip ist sie noch da. Darf aber nicht mehr benutzt werden. Jedenfalls nicht von denen, die uns im Alltag vor gewaltbereiten Wirrköpfen jedweder Art beschützen sollen. Eigentlich hätte sie dazu nur aufbewahrt werden müssen, aber etwas ist dabei (lösch-) routinemäßig schiefgegangen.

Aufbewahren ist ein gutes Stichwort. Der Verfassungsschutz will andere Akten 120 Jahre lang unter Verschluss nehmen. Die zum NSU. Erst dachte man, weil die Schlapphüte vielleicht Angst haben, dass man in diesen Akten Belastendes findet. Mittlerweile muss man aber eher davon ausgehen, dass sie Angst haben, dass man merkt, in welch unaufgeräumtem, üblicherweise eher der gewerbsmäßigen Aufzucht nützlicher Haustiere dienendem Gebäude sie arbeiten.

Clusteranfrage an den Verfassungsschutz mit folgenden Stichworten: NSU, Lübcke, Kassel, Ernst, Combat 18, Game Over. Mail kommt sofort: „Tut uns leid, dieses Material ist so geheim, dass wir es nicht mehr finden.“

Wir wünschen gute Besserung und hoffen stattdessen auf Polizei und Justiz. Und empfehlen bis nächste Woche und darüber hinaus allen Steigbügelhaltern der gesellschaftlichen Verrohung den französischen Philosophen Denis Diderot: „Durch Vernunft, nicht durch Gewalt, soll man Menschen zur Wahrheit bekehren.“

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