Angst essen Seele auf

Es gibt Wochen, in denen weiß man nicht, ob man Angst bekommen oder haben soll.

Donald Trump mal wieder. Ihm ist ja bereits des Öfteren von verschiedener Seite – nicht von dieser – der Reifegrad eines Zwölfjährigen nachgesagt worden. Jetzt, in der dritten TV-Debatte um die US-Präsidentenwahl, hat er gesagt, dass er das Wahlergebnis möglicherweise nicht anerkennen werde. Und schob einen Tag später nach: Höchstens dann, wenn er die Wahl gewinnen sollte.

Ein solches Benehmen mit Zwölfjährigen gleichzusetzen ist eine Beleidigung für jeden anständig pubertierenden, angehenden Teenager. Was Trump da abliefert, ist das intellektuelle Gebaren eines maximal Siebenjährigen. Nananananaaaana, meine Suppe ess’ ich nicht …

Sorry, liebe Siebenjährige, da müsst Ihr jetzt durch. Was Ihr nicht müsst: so werden wie Trump. Ihr habt noch alle Chancen. Nutzt sie.

Unbedingt auch deshalb, weil wir im Jahr 2016 leben. Egal was Euch irgendwelche Vollpfosten vielleicht einreden wollen: Das Deutsche Reich ist 1945 ohne Glanz und ohne Gloria von uns gegangen. Und Preußen schon 1937. Will sagen: Wenn es also in der Gegenwart nicht so läuft oder wenn man einfach mit der Welt so zurecht kommen muss wie sie nun mal ist, dann taugt es nicht, sich in eine Vergangenheit zu flüchten, die bei Licht betrachtet sowieso nicht so großartig war. Weltflucht macht die Birne weich.

Bei manchen so weich, dass sie schießen. Weil sie die Bundesrepublik nicht anerkennen. Sie sei nicht rechtmäßig, sie sei besetzt, nicht souverän, und ja, das Wetter ist manchmal auch mies. Das ist die Diagnose, die die sogenannten Reichbürger eint. Mehr aber auch nicht. Untereinander sind sie so zerstritten wie reichsdeutsche Territorialfürsten kurz vor dem Westfälischen Frieden 1648. Und so benehmen sie sich auch: Ein Polizist hat jetzt die Toleranz des Staates gegenüber diesen Irren mit seinem Leben bezahlt. Weil sie glauben, die Repräsentanten eines Staates, den sie nicht anerkennen, so behandeln zu dürfen.

Bislang hielt man die Reichsbürger nur für Spinner. Jetzt wissen wir: In ihren Reihen gibt es auch Mörder. Das macht sie zur Gefahr, und als solche sollte man sie nunmehr behandeln. Und sie können (und sollen!) froh sein, dass dies nach dem Recht und Gesetz des Jahres 2016 geschieht. Und nicht nach dem von 1937.

Die Frage nach dem Umgang mit Recht und Gesetz hat dieser Tage auch die ARD aufgeworfen, im multimedial-interaktiv-publikumsdialogisch inszenierten Drama “Terror”. Darin schießt ein Luftwaffenpilot ein Passagierflugzeug ab, das sonst als fliegende Bombe gegen Städte, Stadien oder anderes in Stellung gebracht werden könnte.

Die Rechtslage ist eigentlich eindeutig: Der Pilot darf nicht schießen. Man darf ein Leben nicht gegen ein anderes abwägen. So steht es im Grundgesetz, ganz vorne sogar. Also, liebe ARD-Programmgewaltige: Ihr hättet gar nicht so furchtbar lange lesen müssen, um Antworten zu finden. Stattdessen sucht ihr Antworten auf Fragen, die niemand stellt, und jagt für ein Heiden-Gebührengeld die halbe Nation in ein abgedrehtes Szenario hinein. Die “Süddeutsche Zeitung” hat das völlig zurecht als “Terror-Porno” bezeichnet.

Aber Angst – oder Angst machen – macht eben geile Quoten. Allerdings nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen: “Angst essen Seele auf” sagte der Gastarbeiter Ali schon 1974 in Rainer Werner Fassbinders gleichnamigem Melodram. Und bekam am Ende ein Magengeschwür.

Immer, wenn Ali nicht mehr weiter wusste, sagte er “Machen ein Dusch” und ging ins Bad. Das sollten wir alle auch tun, bevor wir uns noch weitaus Schlimmeres einfangen als Magengeschwüre: richtig kalt duschen. Das schärft den Verstand. Nichts braucht es in dieser Welt der Angstmacherei mehr als klare Köpfe. Aber Obacht, liebe Siebenjährige: kalt duschen, nicht heiß baden. Sonst endet das so wie bei Trump.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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