Angelas Angst

Es gibt Wochen, in denen liest man mal in Ruhe Zeitung.

Und findet folgende Stellenanzeige: „Sie haben den Klimawandel gestoppt? Das Heiratsrecht für Päpste in der katholischen Kirche durchgesetzt? Donald Trump die Namen aller 50 US-Bundesstaaten auswendig lernen lassen? Und jetzt suchen Sie endlich mal nach einer richtigen Herausforderung? Dann sollten wir uns treffen.“ Chiffre unter xyz 007.

Da ich am Wochenende zufällig nichts vor hatte, schrieb ich dort einmal hin. Umgehend meldete sich ein Headhunter, der ein Treffen unter konspirativen Umständen vorschlug.

Der Mann machte einen leicht desillusionierten Eindruck. Ab und zu brüllte er „Was, 24?“ ins Telefon, als sei ich gar nicht da. Ich zeigte ihm meine Referenzen. Da stand natürlich nichts von Klimawandel und so drin. Ich sei nur neugierig, sagte ich.

Der Mann schüttelte den Kopf. Ohne Referenzen, sorry, nichts zu machen. Ich stand auf und ging zur Tür. Als ich schon fast draußen war, brüllte der Headhunter auf einmal „Was, jetzt nur noch 22?“ ins Telefon und eilte hinter mir her. Ich möge doch noch einmal Platz nehmen.

So langsam sah der arme Headhunter ein bisschen zu klein für seinen großen Anzug aus. Er sah mich müde an. „Wissen Sie, wir suchen jemand für den gefährlichsten und aussichtslosesten Job, den man für Geld in Deutschland tun kann: Wahlkampfmanager der SPD.“

Ich lachte und lehnte ab. Hatte ich doch noch das lukrative Angebot, Recep Tayyip Erdogan zum Frauenbeauftragten von Kamp-Lintfort zu machen, in Reserve. Man muss sich schließlich realistische Ziele im Leben setzen.

Und jetzt mal im Ernst, Herr Gabriel: Was in aller Welt ist in Sie gefahren, Martin Schulz so in die Speichen zu greifen? Ist das die Bewerbung als Kanzlerkandidat 2021? Nach dem Motto „Die 2017er Nummer ist doch eh schon gelaufen“.

Gelaufen ist auch das Rennen um den Wettbewerb „Wer verkauft sich am gründlichsten?“ Natürlich, werter Gerhard Schröder, können Sie mit Ihrem Leben machen, was Sie wollen. Und wir können davon halten, was wir wollen.

Die beste Wahlkampfhelferin für den bemitleidenswerten Martin Schulz ist Angela Merkel. Warum sie das TV-Duell – mithin das einzige direkte Aufeinandertreffen mit ihrem Herausforderer – weiterhin in ein so enges Regelwerk pressen lässt, das so gut wie jede Spontaneität ausschließt, ist ihr tieferes Geheimnis. Hat sie am Ende Angst vor Schulz, der nichts mehr zu verlieren hat? Jedenfalls kann er nur noch gewinnen – trotz der eigenen Partei.

Als ich den schummrigen Ort, an dem ich mich mit dem Headhunter getroffen hatte, verließ, klingelte mein Handy. Natürlich war der Headhunter dran: Jetzt habe auch noch Chuck Norris abgesagt. Ob ich nicht doch …? Nein. Aber einen Tipp gab ich ihm: Das Patent auf das „Projekt 18“ liegt vermutlich noch bei der FDP. Besser mal bei denen anrufen. Nicht, dass es noch Ärger gibt.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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