Angela M. in der Blechdose

Es gibt Wochen, in denen gibst du so richtig Schub.

Wie Markus Söder. Sie wissen schon, das bayerische Normmeter für politische Glaubwürdigkeit. Laut den Kollegen von der „Augsburger Allgemeinen“ wäre er gerne Astronaut geworden. Und offenbar deshalb hat er jetzt die wirtschaftspolitische Rakete „Bavaria One“ gezündet. Nach Lederhosen, Laptops und Luxusautos soll Bayern nun in Welten vorstoßen, die kein anderes Bundesland je zuvor gesehen hat.

Ein prinzipiell guter Plan. Blöd nur, dass er für Markus „Major Tom“ Söder nicht funktioniert. Statt neuer Höhen lernt er gerade das Prinzip der Schubumkehr kennen: Die Umfragewerte seiner CSU sind vor der nahenden Landtagswahl mittlerweile auf einigermaßen unterirdische 33 Prozent abgestürzt. Merke: Im Weltall ist ganz generell die Luft für alle dünn. Für dampfplaudernde Landesvaterlaiendarsteller allerdings erst recht.

Wobei die Kombination „Politiker und Weltall“ schon Raum für weitere Fantasien lässt. Nein, Donald, DU musst jetzt nicht anrufen. Den Brüller, dass man dich auf den Mond schießen sollte, schenke ich dir. Du bleibst hier unten und erarbeitest dir interstellaren Ruhm schön selbst. Da hast du noch viel zu tun.

Es ist nämlich so: Der eine oder andere Himmelskörper ist ja nach berühmten Persönlichkeiten benannt. Du aber, lieber Donald, hast es bislang nur zur Benamung einer Mottenart gebracht, die – lustigerweise – vor allem in Mexiko vorkommt. Wahrscheinlich macht Neopalpa Donaldtrumpi – so heißt das Vieh – am liebsten das, was andere Motten auch machen: Löcher in alles fressen, was vorher ohne Löcher schöner war. Und sei es die Vorstellung von einer Welt, in der Politik ohne pubertäres Schlammcatchen möglich war.

Aber auch substanziellere Sterne am Polithimmel verglühen so langsam. Angela Merkel zum Beispiel. Bei ihr hätten wir wirklich gedacht, dass sie einen würdigen Abgang schaffen könnte. Stattdessen schweigt sie sich in die Bedeutungslosigkeit. Und daran sind weder Söder noch Trump schuld, sondern sie allein. Wenn man keine Bodenhaftung mehr hat, ist es zu spät.

Wie sang David Bowie einst in „Space Oddity“ über Major Tom? „For here am I sitting in a tin can, far above the world, and there’s nothing I can do“. Frei übersetzt: „Jetzt sitze ich hier in meiner Blechdose, weit weg von der Welt, und kann nix machen“. So muss sich das aktuell anfühlen, wenn die Kanzlerin aus den Scheiben ihres Dienstwagens blickt.

Vielleicht verhilft ihr ja ausgerechnet Weltraum-Jockey Söder dazu, endlich auszusteigen. Wenn die CSU derb abstürzen sollte … Zu Panik besteht deshalb kein Anlass, denn da sind ja auch noch die Hessen. Nicht, weil sie bald ebenfalls wählen. Nein, das europäische Zentrum zur Beobachtung und Kontrolle von Weltraumschrott liegt wo? Richtig, bei der ESA in Darmstadt. Dort ist man schon mit ganz anderen Brocken fertig geworden als mit bajuwarischen Bierzelt-Böllern.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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