Abschalten auf dem Amt

Es gibt Wochen, die stinken einfach zum Himmel.

Nein, nicht wegen diverser Dieselmotoren. Das auch, aber noch mehr wegen einer spezifischen Eigenschaft, die vor allem in Deutschland ideale Lebensbedingungen vorzufinden scheint: Wir taufen sie hiermit auf den Namen „vorschnell-selbstzerstörerischer Absolutheitsanspruch“ oder abgekürzt „Voltersach“.

Dass unsere Autobauer wegen ihrer dummdreisten Rechtsverstöße bestraft gehören ist auch an dieser Stelle hinlänglich ausgeführt worden. Aber anstatt von da an ruhig weiter zu denken, greifen wir in die Voltersach-Kiste und beschließen, künftig ohne Autoindustrie auskommen zu können. Das bisschen Wohlstand kommt doch von der Bank.

Gerüchteweise ist in Frankreich gerade der Schampus, in Japan der Sake, in Italien der Chianti und in Korea der Soju ausgegangen. In diesen Ländern, wo ganz bestimmt ausschließlich blitzsaubere Diesel gebaut werden, weiß man nämlich aktuell nicht, wie viele Partys man eigentlich noch feiern soll.

Etwas diskreter feiert man an anderen Orten, wo es lange nichts mehr zu feiern gab: in den Vorständen von Eon, RWE, Vattenfall und anderen. Dort wartet man stündlich auf den Anruf, sich mit dem Verschrotten der noch vorhandenen Kernkraftwerke bitte noch ein bisschen Zeit zu lassen. All die schönen neuen Elektrokutschen brauchen tatsächlich Strom. Wir sind gespannt auf das grün anlaufende Gesicht des einen oder anderen Politikers nach diesem Anruf.

Dass dieser Anruf mit aller Gewalt erst nach der Bundestagswahl erfolgen soll, ist ein übles, bösartiges Gerücht, das wir hiermit … öhm, nö.

Dafür fanden sich dieser Tage weitere Anwendungsbeispiele für Voltersach. Die Kollegen der „Süddeutschen“ zum Beispiel konnten aus guter Quelle darlegen, dass unser Ausländerzentralregister auf gut Deutsch gesagt ähnlich sauber geführt wird wie die Motorsteuerung eines VW-Diesel. In der Datei, die uns eigentlich verraten soll, wie viele Ausländer hier leben, finden sich Einträge aus dem Jahr 1921, jede Menge EU-Bürger und vermutlich Haustiere mit seltsamen Vornamen. Auf der Basis dieser Datei läuft die gesamte Debatte um Zuwanderung und Sicherheit. Eine Debatte, an der Parteien, Freundschaften und das Fundament der Gesellschaft gleichermaßen zerbrechen können.

Weil wir auch diese Debatte mit Voltersach-Getöse führen. Frei nach dem Motto „Wir haben zwar keine belastbare Grundlage, aber auf der trampeln wir umso entschiedener herum“.

Als Grund für das Daten-Desaster, an dem gerade mal 600 Behörden liebevoll mitwirken, nennt der Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung diesen: Die Eingabe der Daten erfolgt „ohne klar definierte Qualitätsstandards und ohne einheitliche Vorgehensweise“.

Aber sich über die Griechen so richtig Voltersach-mäßig lustig machen. Das können wir.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche. Ich geh jetzt mal zum Finanzamt und sage denen, sie sollen sich an den Daten-Daddlern aus anderen Behörden ein Beispiel nehmen. Warum denn bloß immer so penibel sein? Und wenn die das mit den Daten nicht einsehen, verlange ich eine Abschalt-Einrichtung für meine Steuererklärung!

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