Mengenlehre in Miami

Es gibt Wochen, in denen man den Kopf einzieht.

Könnte ja ein Golfball geflogen kommen, den Donald Trump gerade einlochen will. Jedenfalls hat er den chinesischen Staatschef Xi Jinping auf seinem Lieblingsanwesen in der Nähe von Miami empfangen, zu dem auch ein Golfplatz gehört. Allerdings ist diese Sportart in China etwas in Verruf geraten, weil sie einige Korruptionsaffären begleitet hat. Deshalb wurde dann nicht am Handicap gearbeitet. Also nicht an dem auf dem Grün.

An einem anderen schon. Nämlich dem, dass immer noch niemand so recht weiß, wie Trump die Welt sieht. So richtig klüger wurde man nach dem Treffen diesbezüglich auch nicht. Aber Trump verkündete trotzdem wacker, man habe eine Freundschaft begonnen.

Nun ist Freundschaft insbesondere in der Politik ein dehnbarer Begriff. Feind, Todfeind, Parteifreund – man kennt das. Auch in der Außenpolitik. Nominell sind China und Nordkorea immer noch so was wie Freunde. Aber ob man in Peking wirklich noch Fan von Kim Jong-un ist, der schon wieder mit Raketen um sich geschossen hat? Solch einen Freund brauchst du doch wie ein Loch im Kopf. Liefert er doch Trump und mit ihm der halben Welt mit jedem Böller wieder ein Thema.

Da muss man dann halt lächeln als Staatschef. Auch in Florida. Schon blöd, so ein Atom-Freund. Den kann man nicht einfach mal am Ohr ziehen. Erst recht nicht, wenn man überlegt, dass der seine Raketen auch mal in eine andere Richtung fliegen lassen könnte.

Bleiben wir bei Freunden. Zwölf von 13 Landesvorsitzenden haben AfD-Chefin Frauke Petry kalt auflaufen lassen, als sie eine neue Strategie vorschlug: jetzt doch koalitionsfähig sein zu wollen statt Totalopposition zu betreiben, nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ. Und schwupps stand Petry auf einmal allein da. Manche sagen bereits, sie sei jetzt auf dem besten Weg, den Lucke zu machen.

Und als sei das alles nicht genug hat jetzt auch noch Petrys Ehemann Marcus Pretzell eine Anzeige wegen des Verdachts auf Hinterziehung von Sozialabgaben und einen nicht bezahlten Mitarbeiter an der Hacke. Er macht also jetzt sozusagen die Le Pen.

Lucke, Le Pen – können die sich nicht mal einigen? Obwohl, ist schon okay so. Also prozentpunkttechnisch.

Nicht einigen können sich allerdings auch andere zukünftige Möchtegern-Koalitionäre. Vor allem die FDP erhielt kürzlich Avancen von einigen Seiten. Dabei wurden und werden im wesentlichen Fragen diskutiert, die sich zumindest prozentpunktetechnisch gar nicht stellen. Aber das mit dem Rechnen ist halt so eine Sache.

Was vielleicht mit einer weiteren Meldung aus dieser Woche zu tun haben könnte. Schon wieder werden hektisch Hunderte von Lehrern für irgendwas umgeschult. Von einer Schulform in die andere, und nächstes Jahr wahrscheinlich wieder zurück. Was soll schon dabei herauskommen? Dagegen war ja selbst die Einführung der Mengenlehre eine pädagogische Großtat. Wie auch ihre Wiederabschaffung.

Bei der einen oder anderen Bank geht Mengenlehre mittlerweile so: Du, lieber Kunde, leihst uns dein ganzes Geld. Gehalt, Erspartes, so Zeug halt. 100 Prozent von dem, was du hast. Wenn du dann mal 50 Euro davon am Automaten ziehen willst, verlangen wir dafür eine kleine Gebühr. Auf Dauer kassieren wir so von dir eine Menge. Und komm jetzt nicht auf die blöde Idee, zum Schalter zu gehen. Da kassieren wir auch.

Das ist wie mit der Maut. Mit der bezahlen wir auch für Straßen, die wir schon einmal bezahlt haben.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche. In der garantiert auch wieder eine ganze Menge von Trump die Rede sein wird.

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