Niemand ist eine Insel

Es gibt Wochen, in denen dominiert Geschäftsbetrieb.

In London zum Beispiel. Sie wissen schon, die Hauptstadt jener Insel, die glaubt, als Steuerparadies eine Zukunft zu haben. Das kommt davon, wenn man dauerhaft zuviel Essig auf seine Pommes kippt. Aber wir schweifen ab. Also: Aus der Hauptstadt der Insel traf der Brief in Brüssel ein, in dem Premierministerin Theresa May mitteilte, dass man nunmehr ganz offiziell eine Insel sein wolle.

Dass niemand eine Insel ist, wusste schon der große Philosoph Johannes Mario Simmel. Scheint sich aber noch nicht überall herumgesprochen zu haben. Schon gar nicht auf besagter Insel. Sonst wäre man dort wohl nicht so erstaunt gewesen, dass es aus Brüssel kämpferisch zurück schallte: „No problem. But we want our money back.”

Was wiederum ein Zitat ist. Nämlich eines der noch größeren Philosophin Margaret Hilda Thatcher. Die wäre schon 1979 ein Grund gewesen, sich Sorgen zu machen. Vielleicht wäre die ganze Sache mit dem Brexit dann deutlich billiger geworden. Auch für Theresa May.

Und als ob das alles nicht genug wäre, machen jetzt auch die Schotten wieder Ärger. Dass man in Edinburgh jetzt aber die Wiederrichtung des Hadrianswalls plant und Frau May dafür bezahlen lassen will, ist ein Gerücht, dass wir nicht bestätigen können. Schon allein deshalb nicht, weil der alte immer noch höchst malerisch als Grenzlinie in der Landschaft herumsteht. Die konnten schon bauen, die Römer. Und vor allem: Sie wussten, warum.

Moment bitte, das Telefon klingelt. Irgendein Mensch, der ziemlich laut spricht und einen Deal machen will. Er kenne sich aus mit Mauern. Die Betonteile, die man an der Grenze zu Mexiko nicht brauche, könne seine Firma doch prima für den neuen Hadrianswall …

Keine Ahnung, wer das war. Kommen wir zu Donald Trump. Der überlegt gerade, wie er eine Insel (Hawaii) los wird. Und mit ihr diesen lästigen Richter, der ihm beim Thema Einreisestopp für Muslime fortgesetzt in die Suppe spuckt. Im Ernst: Es sieht danach aus, als sei das demokratische System der USA stabiler als zwischenzeitlich zu befürchten stand. Justiz und Parlament nehmen ihre Rolle wahr und ernst.

Vielleicht hat Trump aber auch nur das Pech, dass seine eigene Partei schon lange keine mehr ist, sondern nur noch eine Zwangsgemeinschaft verschiedenster Egomanen, die vor lauter Profilgeilheit keine Mehrheiten mehr organisieren kann. Und schon hockst du als Präsident auf deiner eigenen Insel.

Zwangsgemeinschaft. Die ideale Überleitung zu CDU und CSU. Angela Merkel und Horst Seehofer sind ein altes Ehepaar, bei dem jeder dem anderen sein Hobby lässt. Hauptsache, man hat selbst seine Ruhe. Tja, und deshalb bekommen wir jetzt kurz vor der Ziellinie der GroKo doch noch die Pkw-Maut serviert. Sozusagen das „We want our money back” auf Bayerisch.

Das wiederum treibt die Österrreicher und die Holländer auf die Palme. Falls sie mit ihrem Widerstand vor Gericht scheitern sollten, soll angeblich aus Protest eine durchgängige Wohnwagenkette von Venlo bis Salzburg gebildet werden.

Der ganz normale Ferienverkehr also.

Keine Ferien macht leider der Ukraine-Konflikt. Dort vollzieht sich gerade der faktische Anschluss des Donbass an Russland. Unrecht wird also erneut verstetigt, und wie die Restukraine ohne ihr wirtschaftliches Herz auskommen wird, steht noch in den Sternen.

Von Wirtschaft versteht Wladimir Putin eben etwas. Und seine Premier Medwedew offenbar erst recht. Deshalb gehen gerade in Russland Zehntausende auf die Straße. Weil selbst in den Weiten Russlands niemand eine Insel ist. Zum Protest gehört dort Mut. Viel Mut.

Was wir nicht vergessen sollten – auch nicht in der nächsten Woche.

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