Mao wird Bundeskanzler

Es gibt Wochen, in denen man still wird.

Still angesichts der Wiederkehr des Terrors. Wir denken an London, an die Angehörigen der Opfer und alle die, die noch um Angehörige bangen.

Und wir denken nach. Woher kommt der Hass? Die Erklärungen füllen viel mehr Raum als in eine kleine Kolumne passt. Aber eine muss auch hier hinein: Politik und Religion sind eine ganz üble Kombination, aus der so gut wie nie etwas Gutes erwächst.

Jeder Versuch einer Überleitung muss jetzt scheitern. Also lassen wir es. Themenwechsel: Vor einigen Wochen hatten wir hier die Frage aufgeworfen, für wen der Opel-Verkauf die Welt zum Guten wendet. Sieht so aus, als wüssten wir es seit dieser Woche zumindest im Fall des Topmanagements. Ist rechtens, klar. Brauchen wir nicht drüber zu reden. Und billig ist‘s auch.

Wäre mal interessant zu wissen, wie Martin Schulz das der hart arbeitenden Zielgruppe an den Montagebändern erklärt. Der ist aber noch viel zu sehr damit beschäftigt, durch die Lande zu reisen und bloß keine Interviews zu geben. Darin müsste er sich ja am Ende mal auf irgendwas festlegen. Nicht nur wegen Opel.

In Umfragen liegen CDU und SPD jetzt gleichauf, ohne dass sich allerdings eine eindeutige Regierungsmehrheit abzeichnet. Deshalb schauen jetzt alle ins Saarland, wo sich erstmals zeigen könnte, wie stark der Schulz-Effekt wirklich wirkt.

Das Saarland – unendliche Weiten zwischen Rheinland-Pfalz und Frankreich. So weit, dass man eine Kugel 16,03 Meter weit stoßen kann. Das ist der seit 1996 ungebrochene Landesrekord im – richtig geraten, Kugelstoßen der Frauen. Gehalten von Anke Rehlinger.

Anke wer? Das ist die Spitzenkandidatin der saarländischen SPD. Sie könnte jüngsten Umfragen zufolge sogar an der Spitze einer rot-roten Koalition ins Ministerpräsidentinnen-Amt gespült werden. Mit Oskar Lafontaine als Juniorpartner.

Oskar wer? Die Älteren erinnern sich: Das ist der SPD-Dissident, dem der Job als Bundesfinanzminister zu anstrengend war und der heute, um im zarten Alter von 73 noch mal richtig fit angreifen zu können, die gedruckte Ausgabe der Agenda 2010 jeden Morgen vor dem Frühstück mindestens 16,03 Meter quer durch den eigenen Garten wirft.

Irgendwie ist es in der Politik gerade wie in den Zombiefilmen – manchmal kommen sie wieder. Auch Theo Waigel – Sie wissen schon, die sprechende Augenbraue aus Bayern, die den Namen „Euro“ für eine Währung erfand, als diese noch niemand kannte – will jetzt angeblich eine Initiative gründen, um in Bayern für Angela Merkel zu werben.

Es muss schlimm stehen um die Kanzlerin. Als nächstes will ihr ein gewisser Christian Wulff noch eine Riester-Police andrehen. So für die Zeit nach dem Kanzlerinnen-Dasein …

Nur wohin die Reise gehen könnte im Bund, das wissen wir trotz all der rüstigen Rentner, die jetzt wieder mitmischen wollen, immer noch nicht. Vielleicht finden wir die Antwort auf dem Platz. Genauer gesagt im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Dort wird gerade die Trainerlegende Sepp Herberger in einer Ausstellung gewürdigt. Eines seiner Vorbilder, das den WM-Sieg 1954 möglich machte, war, so lernt man in Dortmund, Mao Tse-tung mit seinen Taktiken, um den Gegner zu verwirren: keine festen Positionen, immer schön unberechenbar bleiben, aber trotzdem erst mal jede Position besetzen. Räumen kann man sie ja immer noch.

Unberechenbar, nicht festlegen, überall und nirgends, hm, … Moment mal: Schulz! Von Mao lernen heißt siegen lernen? Könnte nicht nur im Fußball funktionieren.

Wir bleiben also am Ball. Das war‘s dann aber erst mal wieder – bis nächste Woche.

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