Pulverdampf und Zaubertinte

Es gibt Wochen, in denen man vor lauter Pulverdampf kaum noch durchblickt.

So als Audi-Chef zum Beispiel. Da willst du erzählen, was für großartige Dinge in der Bilanz und in den nächsten Jahren im Unternehmen so ganz generell passieren, und nebenan räumt dir der Staatsanwalt die Büros leer. Das sieht einfach nur oberpeinlich aus, da hilft auch keine beschönigende Schummelsoftware mehr.

Beschönigt hätte Geert Wilders – Sie wissen schon, die niederländische Antwort auf Haartrocknungsgeräte – mit Sicherheit gerne das Wahlergebnis, bei dem seine Rechtsauslegertruppe nur so mittel abschnitt. Es gab ja schon Umfragen, die ihm den ganz großen Durchmarsch prophezeiten. Waren aber wohl Käse, die Umfragen.

Wobei man allerdings jetzt die Kirche im Dorf lassen muss: Kräftig verloren haben vor allem die etablierten Parteien. Wilders hat nur nicht so furchtbar viel gewonnen wie befürchtet. Er wird weiter für Pulverdampf sorgen, da können wir sicher sein.

Pulverdampf. Den gab es auch 1529 und 1683. In beiden Jahren standen jeweils türkische Heere vor Wien. Sie finden, wir gehen heute doch ein wenig arg weit in die Geschichte zurück? Ja. Um zu zeigen, in welche finstere Zeiten wir zumindest verbal wieder abzugleiten drohen. Da hilft kein Wegducken und auch keine Schummelsoftware, die die Realität ausblendet.

Von „Religionskriegen“ ist da auf einmal wieder die Rede. So schallt es vom Bosporus Richtung Mitteleuropa. Und es geht sogar noch finsterer: Deutschland und den Niederlanden wird portionsweise die Zufuhr von 15 000 Flüchtlingen angedroht. Auch das als Bestrafung für in den Augen Ankaras unbotmäßiges Verhalten.

Herr Erdogan lässt also jetzt endgültig die Maske fallen: Die Flüchtlinge waren für ihn nicht nur eine willkommene Einnahmequelle, sondern zudem auch ein widerliches Druckmittel.

Wenn es eine Schummelsoftware gäbe, die Unterschriften unter Verträge rückgängig macht, dann wäre es höchste Zeit, Angela Merkel zu verraten, wo sie sie findet. Zur Not täte es auch Zaubertinte.

Letzten Endes sind wir es aber auch zum gehörigen Teil selbst schuld, dass die innenpolitischen Probleme der Türkei zu unseren werden. Die Crux ist die doppelte Staatsbürgerschaft. Nur sie verschafft Erdogan und seinen AKP-Bataillonen überhaupt eine Bühne. In anderen Ländern muss man sich entscheiden. Deutschland sagt hingegen, dass sein Pass nichts wert ist. Und dazu verhält sich Herr Erdogan ganz seinem Naturell entsprechend.

Da ist man ja regelrecht beruhigt, dass an anderen Fronten der Pulverdampf verschwindet. Man wolle keinen Handelskrieg mit Deutschland, versprach der neue amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin bei seinem Antrittsbesuch in Berlin. Wir sind begeistert. Aber nur ganz kurz. Denn Herr Mnuchin sprach weiter. Statt Krieg präferiere man eine „Grenzausgleichssteuer“.

Früher nannte man das Zoll.

Herr Mnuchin begreift es – wie sein ebenso aufrichtiger wie verlässlicher Chef – als seine Mission, die durch unfair spielende Nationen wie Deutschland verelendete amerikanische Mittelschicht wieder aufzurichten.

Lernt man das im kleinen Knigge bei Goldman Sachs, wo Herr Mnuchin Karriere machte? Erst abkassieren, bis die halbe eigene Nation wegen Pleitebanken pleite ist, und dann mit dem Finger auf andere zeigen? Sieht ganz so aus.

Über den USA wird ganz offensichtlich noch eine Menge Pulverdampf abziehen müssen, bis diejenigen, die mit dem Rücken zur Wand stehen, begreifen, wer ihr wahres Problem ist.

Das wird dauern – länger als bis zur nächsten Woche.

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