Da haben wir den Tomatensalat

Es gibt Wochen, in denen manches einstürzt.

Zum Beispiel der Felsbogen des Azure Window auf der maltesischen Insel Gozo, bekannt geworden unter anderem als Kulisse aus „Game of Thrones“. Schade, schon wieder ein wunderschönes Naturdenkmal weniger.

Ist bestimmt Zufall. Das mit dem Klimawandel haben ja die Chinesen nur erfunden. Um sich irgendwie Vorteile zu verschaffen. Das hat der renommierte Meteorologe Donald John Trump in einer 140 Zeichen umfassenden Studie auf Twitter nachgewiesen. Hashtag #werdasnichtglaubtistkommunist. Oder so.

Eingestürzt ist in dieser Woche auch die Gewissheit, man brauche mit deutschen Außenministern nicht länger zu rechnen. Nein, nicht in Ankara. Dort sucht Erdogan immer noch an einer Nazi-Binde für einen Auftritt in Deutschland. Aber dazu kommen wir erst später.

Der Einsturz ereignete sich in Moskau. Russlands Chefdiplomat Sergei Lawrow, aus Berlin bislang eher gefloskelte Zurückhaltung gewohnt, traf erstmalig auf Sigmar Gabriel. Und der Bundesaußen-Siggi hat Lawrow mit der ihm eigenen Mischung aus Kirmesboxertum und rhetorischem Dolch im Gewande auf eigenem Parkett die Grenzen aufgezeigt. Und dabei die ganze Zeit so freundlich gelächelt, dass man ihm wirklich nicht böse sein konnte. Respekt.

Wollen wir da doch einfach mal hoffen, dass Gabriel dieses Niveau hält und nicht wie schon so oft rasch die Lust an sich selbst verliert.

Natürlich ist man jetzt in Moskau doch böse. Und überlegt, was man aus Wut so alles zum Einsturz bringen könnte. Es bietet sich im Moment aber zu vertretbaren Risiken nicht so wirklich viel an. Ist einfach schon ganz schön viel kaputt gegangen in den letzten Monaten und Jahren.

Syrien zum Beispiel. Dort führen Wladimir Putin und sein Waffenbruder Erdogan jetzt eine spezielle Variante von „Game of Thrones“ auf. Und die geht so: Auf den noch rauchenden Trümmern preisen Putin und Erdogan ihre so erfolgreiche Zusammenarbeit. Der, den sie damit angeblich beschützen wollten – Syriens Diktator Assad – findet Erdogan im eigenen Land aber auch doof. Erdogans Antwort: Er lässt jetzt statt auf Kurden und andere auch auf Assads Truppen schießen. Putin lächelt und denkt sich: „Läuft. Stürzt ja doch alles ein hier, und am Ende bleibe ich ganz allein übrig.“

Immerhin hat er Erdogan jetzt erlaubt, nach längerem Verbot wieder Zwiebeln, Nelken, Brokkoli und Blumenkohl nach Russland exportieren zu lassen. Vitamine sind ja auch wichtig. Nur Tomaten, die bleiben weiterhin verboten.

Was für Erdogan insofern nicht so lustig ist, als dass Tomaten eines der am häufigsten vorhandenen Agrarprodukte der Türkei sind. Was tun damit? Salat machen? Schmeckt auch nicht jedem. Gut, man kann sie, wenn bei einem charakterlich schon so manches eingestürzt ist, auch als Wurfgeschosse verwenden. Kommt vor allem bei Demonstrationen schon mal vor. Aber nur in Ländern, in denen noch gefahrlos demonstriert werden darf. Also nicht in der Türkei.

Da schließt sich jetzt der Kreis. Quizfrage nach Ankara: Wie heißt das Land, in dem die Presse gleichgeschaltet ist, Oppositionelle reihenweise im Gefängnis sind und die Parteienlandschaft bald nur noch aus einer Partei besteht? Nein, nicht Nazi-Deutschland. Das war einmal. Sondern Türkei. Das ist so. So viel zum Vergleich der Woche.

War sonst noch was? Björn Höcke bettelt darum, AfD-Mitglied bleiben zu dürfen. Wäre ja auch blöd, wenn er als politisch Heimatloser Erdogan um eine Nazi-Binde anbetteln müsste. Da könnten dann ein paar Tomaten fliegen. Oder dem einen oder anderen seiner bisherigen Sympathisanten die Tomaten von den Augen verschwinden.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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