Und es hat Schulz gemacht

Es gibt Wochen, in denen man einfach keine Erklärung findet.

Zum Beispiel für Martin Schulz. Zwar weiß immer noch kein Mensch, was er alles anders machen will als Sigmar „Ich bin der Familien-Außenminister“ Gabriel, aber trotzdem klettert die SPD dank Schulz in Umfrage-Höhen, die mindestens die Hälfte der Jusos noch nie erlebt hat.

Okay, zu Hartz IV hat er den erwartbaren Testballon steigen lassen. Aber das allein erklärt noch keine 32 Prozent und das Überholen der Union. Da muss noch mehr sein.

„Er hatte noch keine Gelegenheit, die Leute zu enttäuschen“, meinen etwa die Kollegen des Hessischen Rundfunks. Da ist was dran. Bei Licht betrachtet ist dieser Satz aber trotzdem ziemlich übel. Was sagt er denn über diejenigen aus, die uns in den zurückliegenden Jahren regiert haben?

Nichts Gutes natürlich. Angela Merkel etwa: Viele sind ihrer so überdrüssig wie 1998 Helmut Kohl. Und wer ihr ins Gesicht schaut, der sieht, dass sie selbst keine Lust mehr hat. Aber trotzdem so tut, als ginge zwischen sie und Horst Seehofer kein Papier. Ein ziemlich erbärmliches Schauspiel.

Merkel muss jetzt etwas abliefern, von dem nicht sicher ist, ob sie das überhaupt noch kann: Wahlkampf. Selbst schuld. Das passiert, wenn du alle innerparteilichen Gegner über Jahre wegschreibst, wegbeißt oder weglobst. Da stehst du dann halt irgendwann allein auf der Wiese. Auf der dann auch ein so unbeschriebenes Blatt wie Schulz zur Lichtgestalt wird.

Die Dreckwerf-Maschinerie der Union ist prompt angelaufen. Ein sicheres Indiz für Nervosität. War das zum Beispiel mit dem Spaßbad in Würselen wirklich eine gute Idee? Was ein Glück (aus Unionssicht), dass Merkel nie in der Verlegenheit war, Bürgermeisterin zu sein. Sie stieg fast zeitgleich mit Schulz in die politische Exekutive ein. Allerdings direkt als Ministerin. Frauen und Jugend.

Der erste, der jetzt darüber räsoniert, wer von beiden damals mehr Spaß hatte, wird danach so schnell keinen Spaß mehr haben.

Verlassen wir dieses rutschige Parkett – und betreten ein noch rutschigeres: Europa. Schulz soll auf ihm aber nicht ausgerutscht sein, sondern vielmehr Mitarbeiter gut versorgt haben. Interessiert aber irgendwie auch keinen.

Ist diese neue Lichtgestalt denn also gar nicht angreifbar? Kommen wir also nun zu ihrer wahren Verfehlung: Schulz ist Fan des 1. FC Köln. Na gut, zumindest am Rhein kommt sowas auch in den besten Familien vor.

Wie sieht das bei Merkel aus? Es ist kein Geheimnis, dass sie mit dem FC Bayern sympathisiert. Passt irgendwie, das kann jeder, da macht man nichts falsch. Außerdem ist sie Ehrenmitglied bei Energie Cottbus. Das ist wenigstens originell. Aber Wahlkampfmunition lässt sich daraus auch nicht schnitzen. Es sei denn, Schulz beschließt, auf Ossis loszugehen. Das wäre noch origineller.

Cottbus oder Köln – Hauptsache was mit K. Kanzler zum Beispiel: Wer die nächste Regierung führen will, muss auf jeden Fall mehr bieten als den Schlafwagenwahlkampf 2013. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Den Dreck können die Strategen aber trotzdem liegen lassen.

Wie gut es uns immer noch geht, zeigt einmal mehr der Blick in – Sie ahnen es – die USA. Darth Vader, der unter dem Pseudonym Stephen Bannon Chefberater von Präsident Trump ist, hat die Regierung Trump als „nie endendes administratives Projekt gegen den administrativen Staat“ bezeichnet.

Wir übersetzen das mal: „Am liebsten würden wir alles in Stücke schlagen. Dann merkt keiner mehr, wie Sch… wir sind.“

Im Vergleich zu diesen Demokratiekillern in Nadelstreifen sind sowohl Merkel als auch Schulz ganz ironiefrei echte Lichtgestalten. Und wir können uns glücklich schätzen, weil wir eine echte Wahl haben.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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