Der Löwe von der Caritas

Es gibt Wochen, in denen denkt man sich: Die Probleme hätte man gerne …

Die von VW zum Beispiel. Sie wissen schon, diese sympathische kleine Manufaktur in der niedersächsischen Tiefst ebene. Ohne Ende Schummeldiesel verscherbelt und trotzdem Nummer eins der Autowelt – die Welt muss schön sein nördlich des Harzes. Ist sie aber nicht. Jetzt kam nämlich die nächste Krisenmeldung: Man suche verzweifelt Parkplätze für 20 000 Passat.

So ist das, wenn du der Größte bist. Mal eben kurz die Fließbänder anlaufen lassen, und schon hast du 20 000 Karossen rumstehen, für die kein Platz in der Landschaft ist. Was ist da los? Will die keiner mehr haben? Haben die Konzernstrategen im Passat statt eines Schummeldiesel was noch Übleres verbaut?

Nein, im Gegenteil. In diesen Autos wurde überhaupt nichts verbaut. Jedenfalls keine Handschuhfächer. Bei einem Zulieferer hatte es gebrannt, und schon war handschuhfachtechnisch Schicht im Schacht. Mittlerweile funkt Wolfsburg, dass man das Problem im Griff habe. Die Bänder ein wenig langsamer laufen lassen, dazu noch Ersatz-Fächer aus China, und schon gibt es in der Tiefstebe ne wieder Parkplätze.

Probleme, die man in Rüsselsheim weiß Gott gerne hätte. Die Rüsselsheimer haben dieser Tage mit dem Insignia Sports Tourer (früher hätte man Kombi gesagt) den “schönsten Opel seit 40 Jahren” (Zitat eines Fachkollegen) vorgestellt – und niemanden interessiert es. Denn am Kühlergrill könnte demnächst nicht mehr der Opel-Blitz blitzen, sondern der Peugeot-Löwe brüllen.

Da kommt Freude auf. Nach der ganz großen Krise 2009 wurde die Rückkehr in die Gewinnzone zwar nicht erreicht, aber sie schien zumindest in Schlagdistanz. Allein, Mutter General Motors in Gestalt der Vorstandschefin Mary Barra will es wohl anders und strebt den Verkauf von Opel an Peugeot an. Geheime Kommandosache, knallhart durchgezogen. So und nicht anders war Barras Satz zu lesen, Opel habe bis 2016 Zeit, wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Und nun sieht man in Rüsselsheim schwarz. Nicht flächendeckend und übertrieben, dazu besteht bis auf Weiteres kein Anlass. Besorgnis erregen höchstens Frau Barras Statements: Opel werde ganz bestimmt eigenständig bleiben. Vorerst. Auf Deutsch: nicht länger als nötig.

Aus vermeintlich oder tatsächlich gut informierten Kreisen ist zu vernehmen, dass an der Entscheidung Barras wer schuld ist? Richtig, Donald Trump. Wer sonst auf dem Globus kommt im Moment dafür in Frage. Trump, so die These, setze Barra wegen Produktion in Mexiko und Nicht-Verkauf amerikanischer Autos im Ausland unter Druck. Außerdem – Verschwörung, Verschwörung – sitze Barra in einem Gremium, das Trump in Wirtschaftsdingen berate.

Wir sagen jetzt mal so: Das ist so billiges Blech, das würde noch nicht mal Chevrolet zum Karosseriebau verwenden. Da soll einfach ein Verlustbringer abgestoßen werden. Punkt.

Peugeot-Chef Carlos Tavares wiederum hat neulich eine seiner Fabriken in Frankreich besucht. Er hat – wie Opel – zu viele von ihnen. Sein Gruß an die Belegschaft: Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man das Werk längst geschlossen. Und das wird alles besser, wenn man demnächst auf Löwen-Gestelle Blitz-Embleme klebt? Peugeot ist möglicherweise keine schlechte Adresse, aber ganz bestimmt nicht die Caritas.

Jetzt fehlt nur noch, dass Frau le Pen mit ihrem “La France d‘abord” – Frankreich zuerst – die baldige Wahl westlich des Rheins gewinnt.

Opel-Chef Neumann hat den Verkauf trotzdem als sinnvoll bezeichnet. Fragt sich für wen.

Erst wenn Opel jemals wieder eine Zukunft haben sollte, in der Handschuhfächer das größte Problem sind, kann man aufatmen. Garantiert nicht schon in der nächsten Woche.

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