Wenn das Telefon zwei Mal brüllt

Es gibt Wochen, in denen man lernt, dass man ein bestimmtes Thema gar nicht wichtig genug nehmen kann.

Folgende Szene: In einem Sessellift in den österreichischen Alpen unterhält sich ein einheimischer Skilehrer mit seiner aus den USA stammenden Privatschülerin. Sie referiert über die Schuld, die Deutschland historisch auf sich geladen habe und sich daher politische Belehrungen verkneifen müsse. Knochentrockene Antwort des Skilehrers: “Es gibt da jetzt bei Ihnen einen großen Politiker, der dafür sorgt, dass der Zweite Weltkrieg ganz schnell Geschichte wird.”

Der Mann hat recht. Einreiseverbote für bestimmte Staaten und Religionen – das hat es in Staaten des Westens lange nicht mehr gegeben, schon gar nicht in der ältesten Demokratie der Welt. Bislang hatten vor allem Israelis Probleme, aber das nur bei Einreisegesuchen in arabische Despotien.

Das Ganze garnierte Donald Trump, um den es hier natürlich wieder mal geht, mit einer übel vergeigten Militäraktion im Jemen sowie einem Anruf, den der australische Ministerpräsident so schnell bestimmt nicht … Moment bitte, das Telefon klingelt …

… wieder da. Wir hätten hier gerne mitgeteilt, wer am anderen Ende war, aber er hat so furchtbar gebrüllt, wir haben kaum was verstanden. Irgendwas mit “Mehr als bei Obama” und “Wahlsieg”, “vom Antlitz der Erde wischen” und “wo zur Hölle ist Melania”. Dann hat er aufgelegt. Wir wünschen gute Besserung an unbekannt.

Zurück zu Trump. Manchmal glaubt man ja, er sei nur eine Sprechpuppe von Stephen Bannon. Sie wissen schon, dieser gruselige Chefstratege, gegen den George W. Bushs Einflüsterer Dick Cheney wirkt wie Mutter Teresa.

Stephen Bannon jedenfalls hat verlauten lassen, dass er sich gut vorstellen könne, dass Amerika in zehn Jahren mit China um Pazifikinseln kämpfen und sich darüber hinaus in einem “großen Krieg” im Mittleren Osten befinden werde.

Die gute Nachricht daran: In zehn Jahren ist Trump nicht mehr Präsident. Die schlechte: An Sätzen wie der Bannons sieht man, wie langfristig die, die jetzt in Washington in Wahrheit das Sagen haben, denken.

Auf dem Weg zur Neuordnung der Welt müssen allerdings noch die Reste der bisherigen bedacht werden. Da mag Herr Bannon noch so Übles von sich geben, aber die Welt der Nachkriegszeit hat vor allem wer geprägt? Richtig, die USA. Vor allem Deutschland und Japan wären nicht relativ pazifistische Wirtschaftsgiganten, wären sie nicht nach 1945 zu solchen gemacht worden.

Was natürlich Bannon und seine Sprechpuppe nicht daran hindert, anderes in die Welt zu pesten. Der Gipfel des Schwachsinns ist die Parole, dass Deutschland den Euro absichtlich billig halte, um über billige Exporte wen schädigen zu können? Richtig, die USA.

Dass in Wahrheit die Europäische Zentralbank den Euro aufweicht – mit derlei fake news hält sich doch ein Trump nicht auf. Oder dass der Euro den Deutschen selbst, vorsichtig formuliert, von externer Seite freundlich anempfohlen worden war – wie kann so ein armer Präsident das denn wissen?

Er könnte sein Groupie Frauke Petry anrufen. Vielleicht erinnert die sich ja noch an die Anfänge der AfD. Obwohl, die hat jetzt andere Probleme, nämlich mit dem unerbittlichen deutschen Meldewesen. Kopf hoch, Frau Petry: Sachsen oder NRW – es gibt Entscheidungen, die schwerer fallen.

Das Telefon klingelt wieder. Wladimir Putin am Apparat. Er brüllt auch. Weil dieser Trump sich im Ukraine-Konflikt auf die Seite Kiews stelle. Dabei habe er doch gesagt, er wolle ein gutes Verhältnis …

So richtig helfen können wir ihm nicht, aber wir versprechen, zu ergründen, was jenseits des Großen Teichs passiert. Nicht nur nächste Woche.

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