Schweinefleisch für Siggi

Es gibt Wochen, in denen fühlt man sich bestätigt.

Durch die SPD zum Beispiel. Auf die ist einfach Verlass. Wochenlanges Getuschel und Geraune um den Kanzlerkandidaten. Und dann hält sich Sigmar Gabriel wie immer an gar keine Regeln außer seine eigenen und haut zwei Interviews raus. Was ein Glück, dass Martin Schulz ein von Grund auf gelassener Mensch ist.

Mehr Zeit für seine Familie will Gabriel haben. Als Außenminister. Aber ja doch. Glauben wir sofort, die Nummer. Und nächstes Jahr, wenn er es vielleicht noch ein bisschen ruhiger angehen lassen will, wird er Generalvertreter für Schweinefleisch in Saudi-Arabien.

Außenminister. Also im weitesten Sinne Diplomat. Als solcher ist er eigentlich bislang nicht immer aufgefallen, sondern eher immer öfter als schlecht gelaunter Polter-Politiker. Stellen wir uns einmal vor, er trifft in diesem Modus auf Donald Trump.

Das könnte vom Naturell her sogar passen. Zwei große Jungs, die sich so richtig die Meinung geigen und das Treffen mit einer Wette abschließen: Wer es schafft, innerhalb einer vorgegebenen Zeit die meisten Journalisten anzupöbeln, darf sich vom anderen was wünschen.

Wie wir Donald Trump mittlerweile kennengelernt haben, hätte er für diesen Fall nicht nur einen Wunsch, sondern einen ganzen Zettel schon ausgefüllt dabei: Ihr Deutschen helft uns beim Mauerbau, da habt Ihr schließlich Expertise. Außerdem baut Ihr Eure Autos in Zukunft so schludrig, dass die Detroiter Rappelkisten schlagartig konkurrenzfähig werden. Und bitte noch diesen Bestellzettel für amerikanische Rüstungsgüter ausfüllen, damit Ihr endlich wieder vertragsgemäß Euren Verpflichtungen innerhalb der Nato nachkommen könnt.

Mit was könnte unser neuer Chefdiplomat dann wohl kontern? Gar nicht so einfach. So vielleicht: Wir schicken Euch ein paar echte Spitzen-Baufachleute aus Berlin. Die basteln zwar da im Moment angeblich an einem Flughafen rum, aber das hat noch Zeit. Die kennen sich in dieser Stadt sowieso besser mit Mauern aus. Da stand nämlich auch mal eine.

Die erste, die es beim Antrittsbesuch offiziell mit Trump zu tun bekommt, ist die britische Premierministerin Theresa May. Die hat auch schlechte Laune, schließlich hat ihr dieser Tage ein Gericht untersagt, den Brexit ohne Beteiligung des Parlaments auszuhandeln. Verflixte Gewaltenteilung aber auch.

Vielleicht wird sie den neuen Oberstrategen im Weißen Haus ja fragen, welchen Tipp er für sie parat hat. Der selbst ernannte größte Dealmaker aller Zeiten wird ihr daraufhin empfehlen, diese lästigen unabhängigen Richter einfach rauszuwerfen (“You‘re fired!) und durch politisch verlässliche Sprechpuppen zu ersetzen.

Aber wie das bei einem Deal so ist: Man muss ihn bezahlen, die Rechnung kommt. Als Gegenleistung für diesen grandiosen Tipp wird Trump verlangen, dass May in Beitrittsverhandlungen mit Washington eintritt. Als 51. Staat. Making America Great Again, das war das Motto, mit dem Trump die Wahl gewann. Und wir wüssten endlich, wie es wirklich gemeint war.

May wird natürlich erst einmal nachdenklich werden: Jahrhunderte Tradition, von Dover aus kann man dieses Europa ja sogar sehen, das wirft man nicht so einfach weg. Aber dann beginnt sie zu grübeln: diese Merkel, die dauernd recht hat. Und diese Franzosen erst. Auch schon lange nix mehr im Beutel, aber immer noch einen auf Grande Nation machen und so. Und diese italienischen Ministerpräsidenten, die schneller wechseln als man sich ihre Namen merken kann. Aber trotzdem alle schön von diesem Drachen, äh, Draghi und seinen Gelddruckmaschinen beschützt werden. Und dann ist jetzt auch noch dieser Schulz weg. Der war ja manchmal wenigstens lustig.

Theresa May wird es also schwer ums Herz werden. Und dann wird sie sagen: “Wo kann ich unterschreiben, Donald? It‘s a deal.”

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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