Diesel für die Karpfen

Es gibt Wochen, in denen gibt es echte und gefühlte Stürme.

Während Tief Egon uns durcheinander schüttelte, zeigte sich das amerikanische Stimmungshoch Donald in Bestform. Er pöbelte aus einigermaßen nichtigem Anlass gegen die eigenen Geheimdienste, die Medien und die halbe Welt. Das ist für sich genommen nicht neu und würde allmählich langweilig, stünde da nicht ständig die eine Frage in unser aller Hinterköpfen: Was macht dieser Mann, wenn es mal echte Probleme gibt und er – dann im Amt – gewisse Möglichkeiten hat?

Stellen wir uns doch einmal einen ganz normalen, möglichen Aprilmorgen des Jahres 2017 vor: In Venezuela putscht sich ein neuer sozialistischer Klon an die Macht. Gleichzeitig machen – nach dem großen Erfolg von 2014 – wieder einige russische Touristen bewaffneten Urlaub. Nach der Ostukraine diesmal in – irgendwo anders in Osteuropa.

In Nordkorea ist es zu dieser Tageszeit schon dunkel. Und deshalb findet ein übermüdeter Grenzsoldat den korrekten Schalter am Kontrollpult nicht und richtet daher irgendein militärisches Gerät aus Versehen auf den Nachbarn im Süden.

Noch weiter im Süden reißt sich China im Schutz der Nacht einige bislang unbewohnte philippinische Inselchen unter den Nagel. Und während unsere gefönte Stimmungskanone noch einen Atlas sucht, um herauszufinden, wo dieser ihm bislang unbekannte Philipp eigentlich wohnt, ruft auch noch die Merkel an und widerspricht ihm zum dritten Mal in der laufenden Woche. Bei irgendwas. Klimawandel, Brexit, Nato-Vertrag, so internationalem Gedöns halt.

Das könnte also komplex werden. Wie reagiert dieser Mann dann? Wenn Twitter nicht für Ruhe im Karton sorgen kann?

Vorerst Ruhe in den USA hat VW. Auch wenn der eine oder andere Manager noch zittern muss, zeichnet sich doch langsam ein Ende des Dieselskandals ab. Hat nur schlappe 22 Milliarden Euro gekostet.

Zittern müssen deshalb jetzt außerdem ein paar Koi-Karpfen. Denn: Sie schwimmen im Teich von Ex-VW-Chef Winterkorn. Der hatte wohl, wie man liest, auf Unternehmenskosten eine Heizanlage für die empfindlichen Tiere in den Teich bauen lassen. Angebliche Kosten: 60000 Euro. Nicht, dass das neue Management jetzt aus Spargründen den armen Kois die Wärme abdreht! Dann doch lieber die deutschen Kunden weiter in die Röhre schauen lassen. Eine Fischheizung zum Preis von nur zweieinhalb dreckigen Diesel-Golfs – man muss im Leben Prioritäten setzen.

Auch beim Thema Innere Sicherheit. Nach der jüngsten Kölner Silvesternacht hatte die Polizei verkündet, vor allem Nordafrikaner kontrolliert und im Griff gehabt zu haben. Jetzt meldet die Polizei, es seien vor allem Männer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gewesen.

Dazu fallen uns gleich mehrere Sachen ein: Warum braucht man eigentlich fast zwei Wochen, um das herauszufinden? Sollen wir mal den Donald fragen, ob er uns seinen Atlas leiht? Oder haben sich die angeblichen Nordafrikaner als Kriegsflüchtlinge getarnt? Sicherheit fußt vor allem auf dem, was man weiß.

Was wir seit langem wissen: Die geplante Pkw-Maut ist eine teure Mischung aus politischer Dyskalkulie und Sturheit. Wer es immer noch nicht glaubt: Wolfgang Schäuble – also der, der für das Rechnen im Kabinett zuständig ist – hat jetzt auch Sorgen, dass ihm die CSU-Pläne ein größeres Loch in die Kasse reißen. Wo ist Frau Merkel, wenn man sie braucht?

Das alles ist umso ärgerlicher, weil gerade heraus kam, dass der Staat 2016 ein sattes Plus von 19 Milliarden Euro gemacht hat. Man könnte also jetzt endlich mal die Bürger entlasten. Anstatt Steuergeld mit Ansage auf den Autobahnen zu verplempern.

Könnte. Es könnte alles so schön sein. Wenn nur die politische Realität nicht wäre. Vermutlich baut der Donald deshalb mit aller Macht seine eigene. Oder träumt sie sich in 140 Zeichen zusammen. Wir sind dabei, ob es nun stürmt oder nicht – ab nächster Woche.

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