Von Spielbällen und Sprechpuppen

Es gibt Wochen, in denen muss man gönnen können.

Gönnen wir also zum Beispiel Wladimir Putin und seiner syrischen Sprechpuppe Assad den Sieg in Aleppo. Auf die Frage, wie lange russische Truppen den Diktator denn auch nach dem Abschlachten des eigenen Volkes stützen wollen, wird der starke Mann im Kreml bestimmt auch eine Antwort haben.

Gönnen wir auch Noch-Präsident Barack Obama seinen baldigen Ruhestand. Dann muss er sich zumindest von Amts wegen nicht mehr eingestehen, dass er es war, der die Menschen in Syrien geradewegs in die Arme der Schlächter geführt hat. Bestimmt wird bald eine Biografie erscheinen, in der Obama uns haarklein erklärt, warum seine Präsidentschaft exakt genau so verlaufen musste, wie sie verlaufen ist.

Beim Thema Syrien müsste er allerdings weiße Seiten drucken lassen. Ehrlicher wäre das auf jeden Fall.

Das Magazin “Forbes” gönnt Putin wegen Syrien und anderer Glanzleistungen den Titel des mächtigsten Mannes der Welt. Wer sich selbst einen Blick in ein Lexikon, Fachliteratur oder wenigstens Wikipedia gönnt, der lernt, dass Wladimir P. ein geschulter Geheimdienstoffizier und Propagandakrieger ist. Jetzt ist er der mächtigste Mann der Welt. Und wir diskutieren über die Macht gefälschter Nachrichten. Ja so ein Zufall aber auch.

Als Wladimir P. 1990 seinen damaligen KGB-Dienstsitz Dresden wegen vorübergehender Perspektivlosigkeit verlassen musste, waren wir anderen gerade mit Feiern beschäftigt. Und Willy Brandt wiederholte ein von ihm selbst schon 1958 benutztes Bonmot, dass nun zusammen wachse, was zusammen gehöre. Damals hatte er allerdings nur die Berliner U-Bahn gemeint.

Auch jetzt wächst ziemlich unterirdisch zusammen, was zusammen gehört: Antidemokraten wie Wladimir P. und antidemokratisch bestens nutzbar zu machende, weil reflektionslose Verbreitungsplattformen, von deren Möglichkeiten der KGB-Mann P. zu seiner aktiven Zeit einfach nur geträumt hätte.

Ein altes russisches Sprichwort sagt: Mit der Lüge kommst du durch die ganze Welt – aber nicht mehr zurück.

Wir ergänzen das mal so: Kann gut sein, dass du dann am Ende in Syrien strandest.

Ein paar tausend Kilometer vom Kreml entfernt gönnt sich derweil der ebenso aufrichtige wie designierte US-Präsident Trump trotzdem ein bisschen Russland-Nähe und ernennt einen mit Moskau ebenso massiv wie freundschaftlich verbandelten Unternehmer zum Außenminister. Während Noch-Präsident Obama die Geheimdienste untersuchen lässt, inwieweit besagte gefälschten Nachrichten die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst haben.

Das wiederum erklärt Trump präventiv für Quatsch. Instinktmensch, der er ist, weiß er, wann man als zweitmächtigster Mann besser mit den Hacken knallt, wenn der mächtigste die Gelegenheit sieht, die Weltlage nach seinem Gusto zu sortieren.

Die US-Notenbank gönnt sich auch mal einen für die zweite Dekade des Jahrhunderts ordentlichen Schluck aus der Pulle und erhöht die Zinsen. Zinsen, die Älteren erinnern sich: Das sind die Erträge auf Kapital, die wir in Europa uns nicht mehr leisten können, weil sonst mindestens die halbe Eurozone schlagartig ihre Staatsschulden nicht mehr bedienen könnte.

Und prompt sackt der Euro in sich zusammen und erscheint genau als die Luftnummer, zu der man ihn in den Frankfurter EZB-Türmen gemacht hat.

Wir sind also eingekeilt zwischen zwei mächtigen Männern, von denen einer einen Plan hat und der zweite Teil dieses Plans ist. Höchste Zeit für uns, uns etwas zu gönnen: Mehr Mut, mehr Optimismus, mehr Zutrauen in das, was uns immer noch auszeichnet. Und mehr Mut, den Realitäten ins Gesicht zu blicken. Es sei denn, wir wollen Spielbälle werden.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche. Ganz bestimmt.

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