Unter Eisenbahnern und Verrückten

Alan R. Moon im Jahr 2007. Foto: Timothy Hunt. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Alan R. Moon im Jahr 2007. Foto: Timothy Hunt. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Der kluge Kopf, der mein Lieblingsspiel „Zug um Zug” (und rund 50 weitere Spiele) erfunden hat, heißt Alan R. Moon (63). Einmal im Jahr lädt der Brite, der in Amerika lebt, Zocker aus aller Welt zu sich ein. Meine Kollegin Lotte Schüler ist diesmal beim „Gathering of Friends” dabei.

Merci für ihren Bericht vom großen Meister!

Stellt euch vor, fast 400 Erwachsene treffen sich, um den Tag damit zu verbringen um zu würfeln, Spielfiguren uerber Spielbretter zu ziehen, Siegpunkte zu kassieren. Manche tun das fast 24 Stunden lang, nehmen sich gerade mal Zeit fuer ein paar Stunden Schlaf und knabbern zwischendurch irgendwelche Snacks, wenn der Blutzuckerspielgel zu tief sinkt. So sind sie, die Spieleverrückten. Sie kommen aus allen Ecken des Globus im Frühjahr an die Niagarafälle zu jenem „Gathering”. Echter Enthusiasmus kennt halt keine Grenzen.

Brettspiele haben in den USA keine wirkliche Tredition, wenn man mal vom allseits bekannten „Monopoly” absieht. Noch heute sind es eher ein paar Spezialisten, die sich gelegentlich am Wochenende treffen, sich durch seitenlange Spielanleitungen arbeiten und dann stundenlange Schlachten mit historischem Hintergrund auf dem Spielbrett austragen oder Monster platt machen.

Alan R. Moon fand nach eigenen Angaben diese Art von Spielen bald weniger attraktiv und lernte die Art von Spielen kennen, die in Europa üblich sind. Da geht es eher ums Handeln, Sammeln und Bauen. Sowohl Spielregeln als auch Spieldauer sind meist übersichtlich, und die Abenteuer eignen sich auch für Familien. Moon begann vor mehr als 20 Jahren, eigene Spiele nach diesem Muster zu entwickeln und deutschen Verlagen anzubieten. Bekannt sind „Airlines” (Abacus-Spiele) und „Zug um Zug” (Days of Wonder). Und er traf sich regelmäßig mit Freunden, um solche als Euro-Style-Games bezeichneten Spiele zu spielen. Damals war es gar nicht so einfach, eine Übersetzung der deutschen Spielregeln zu finden. Die kleine US-Szene betreibt bis heute einen fleißigen Austausch von Übersetzungen, und wer nach Europa reist, kommt mit ein paar neuen Spielen zurück.

1995 startete Klaus Teuber aus Roßdorf den Siegezug mit seinem Spiel “Die Siedler von Catan”. Wenn ich heute Teilnehmer des „Gatherings” frage, wann sie ihre Begeisterung für Brettspiele entdeckten, dann nennen viele die Begegnung mit „The Settlers of Catan”.

Und die Entwicklung geht weiter. Die richtigen Freaks geben sich nicht mit so was Einfachem wie das Besiedeln von Weizenfeldern und Schafweiden zufrieden. Inzwischen erscheinen die Spiele der europäischen Verlage sehr schnell auf dem amerikanischen Markt. Dafür sorgen Verlage wie Rio Grande Games oder Mayfair, die vor allem Lizenzen kaufen, die Spiele an die US-Bedürfnisse anpassen – und Millionen verdienen.

Jetzt beginnt gleich einen neue Spielrunde. Daher verabschiede ich mich erst mal. Beim naechsten Mal will ich von den Spielen berichten, die hier besonders beliebt sind.

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