Neues aus Essen (4)

Foto: Lotte Schüler

Foto: Lotte Schüler

Lotte Schüler blickt noch einmal auf die “Spiel’16″, die große Essener Spielemesse:

Die Spielemesse ist zu Ende, die Spiele-Erklärer können die überstrapazierten Stimmbänder pflegen und die Besucher ihre erjagten Schätze begutachten. Bei dem Angebot an über 1000 Neuheiten ist es nur begrenzt möglich, sich selbst ein Bild davon zu machen, welches Spiel das Plündern des Bankkontos lohnt. Also gibt es Abstimmungen des Publikums, zum Beispiel durch die so genannte Scout-Liste. Der Verlag einer Spielezeitschrift (fairplay) verteilt solche Listen an Abonnenten und Besucher.
Da in diesem Jahr das Spiel “Terraforming Mars” von Schwerkraft Verlag in der Publikumsgunst ganz oben stand, wollte ich natürlich einen Platz am Spieltisch ergattern. Den ersten Dämpfer erhielt ich, als die Verlagsvertreter ankündigten, dass wir aus Platzgründen nur drei Runden spielen durften. Aber wie kann ich ein Spiel nach drei Runden zuverlässig beurteilen? Es gibt Spiele, die scheinen in den ersten Runden eher banal und nehmen dann richtig Fahrt auf, und es gibt den umgekehrten Verlauf. Es gibt Spiele, die tarnen sich als hochkarätige Taktikspiele, und am Ende bekommt ein Spieler zufällig den Sieg zugesprochen. Die Schwarmintelligenz folgt manchmal nur einem Hype, manchmal auch einer echten Perlen. So viel zu solchen Abstimmungslisten.
Endlich ging das Spiel los. Thema ist der Planet Mars, den die Spieler zu einem weniger lebensfeindlichen Biotop zwecks Rohstoffausbeutung entwickeln sollen. Dazu gibt es Karten, mit denen man Bauten kaufen oder Aktionen auslösen kann. Und das erwies sich als hochproblematisch, da alle Karten zufällig zugeteilt wurden. Etliche dieser Karten verlangen eine lebensfreundlichere Atmosphäre auf dem Planeten, also höhere Temperaturen, mehr Sauerstoff oder Wasser. Wer vorwiegend mit solchen Karten dasaß, konnte nur dann etwas bewirken, wenn die anderen für ihn solche Bedingungen schufen. Das dauerte länger als die erlaubten drei Runden. Ob es möglich war, den Vorsprung glücklicherer Spieler einzuholen, war also nicht festzustellen. Das Spielmaterial war so ungünstig, dass es dem eigenen Tableau und den zugewiesenen Feldern entwischte. Der pfiffige Verlag hat daher eine Schablone entwickelt, mit der man für je acht Euro die kleinen rutschigen Würfel bändigen kann. Man kann jetzt argumentieren, wer 60 Euro für ein Spiel ausgibt, kann auch noch 40 nachlegen, um das Spiel spielbar zu machen (es ist ein Spiel für 1-5 Spieler). Ich will das hier nicht weiter kommentieren. Fazit: Es ist ein komplexes Aufbauspiel mit spannendem Thema, aber ob es wirklich gelungen ist kann ich erst nach einer vollständigen Partie beurteilen.
Wer kennt nicht die niedlichen Taschenmonster, auch Pokémon genannt? Der Erfolg der App Pokemon-Go gibt auch dem Sammelkarten-Spiel Auftrieb. Es wurde vor fast 20 Jahren nach dem gleichnamigen Computerspiel entwickelt und ist in Deutschland beim Amigo Spiel- und Freizeitverlag erhältlich. Also machte ich mich auf den Weg zum Stand von Amigo. Dort saßen vor allem Kinder, die sich von einem Demonstrator (Spiele-Erklärer) in die Kampftechnik einer Pokémon-Arena einweisen ließen. Es geht beim Spiel darum, mit den eigenen Pokémons die des Gegners zu vernichten. Das gelingt, wenn der Angreifer mehr Schäden verursacht, als der Angegriffene verkraften kann. Um das Ganze spannender zu machen, gibt es Sonderkarten, Trainer und Heiltränke, mit denen man ins Kampfgeschehen eingreift. Beim gleichen Verlag ist das Sammelkartenspiel “Force of Will” erschienen. Der Grundgedanke ist ähnlich – mit Karten den Gegner angreifen und vernichten, die Karten aufwerten und eine geschickte Kombination der eigenen Fähigkeiten zusammenstellen. Die Zielgruppe hat ein höheres Alter, daher sind die Spielmöglichkeiten komplexer. Die Ähnlichkeit mit dem Sammelkartenspiel “Magic the Gathering” ist nicht zu übersehen. Und wie bei Sammelkarten-Spielen üblich erwacht bei den Spielern der Jagd- und Sammeltrieb, wenn immer neue Decks auf den Markt kommen.
Ich gebe es an dieser Stelle zu, diese Art von Spielen gehört nicht zu meinen Favoriten, das ist aber mein persönlicher Geschmack. Spaß macht das Tüfteln mit den Fähigkeiten der Karten allemal, und wer Illustrationen im Manga-Stil mag, kommt auch optisch auf seine Kosten.
So, das waren Eindrücke von der “Spiel 16″. Laut Pressemitteilung der Veranstalter Merz-Verlag liegen Gesellschaftsspiele wieder im Trend, was hohe Besucherzahlen und hohe Umsätze bewiesen. Wer einige der Neuheiten ausprobieren möchte, kann das bei “Darmstadt spielt” am 19. und 20 November im Darmstadtium tun.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>