Neues aus Essen (3): Von Eisenbahnen und Aliens

Foto: Lotte Schüler

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Und nochmal meine Kollegin Lotte Schüler über die “Spiel ’16″:

Von den unglaublich vielen Gesellschaftsspielen schrieb ich schon – auch davon, noch nicht das Spiel der Spiele entdeckt zu haben. Nun birgt so ein Messebetrieb auch einige Tücken, wenn der Besucher probespielen will. Man muss einen Platz ergattern, einen kompetenten Erklärer finden und trotz der Lautstärke sich auf das Spiel konzentrieren.
Bei “Railroad Revolution” von What’s Your Game habe ich die erste Hürde genommen – der Erklärer war nicht immer akustisch zu verstehen und der Lärm der Halle ließ sich nicht abstellen. Das Spiel hat mir trotzdem sehr gut gefallen, da verschiedene Elemente auf interessante Art ineinander greifen. Es geht natürlich um Siegpunkte, die man vor allem für erfüllte Aufgaben erhält, etwa dafür zwei Bahnhöfe und drei Gleise zu bauen. Logisch, dass man dazu Geld braucht, Arbeiter und Aktionen – die auf dem eigenen Tableau ausgelöst werden. Es gibt nur Konkurrenz um den ersten Bau, weil der einen Bonus spendiert, und bei den Schienen, weil davon nur zwei pro Stadtverbindung zulässig sind. Bei allen Aktionen ist der geneigte Spieler auf seine eigene Planungskompetenz angewiesen. Spiele dieses Verlages habe ich übrigens auch schon in Fachgeschäften entdeckt, nicht aber in Kaufhäusern.

Gut vertreten im Handel ist der Verlag Hans im Glück, der schon etliche gute und anspruchsvolle Spiele herausgebracht hat. In diesem Jahr stellt er “First Class” vor, auch ein Spiel mit Eisenbahnen und Streckenausbauten, vorwiegend von Karten gesteuert. Und um die gibt es heftige Konkurrenz, denn die Karten liegen für alle zugänglich in der Tischmitte. Klar, dass der Spieler mit dem ersten Zugriff seine Wunschkarte auf jeden Fall erhält.
Kennen Sie das Gefühl des Spielers, der nur darum Rundenletzter wird, weil ein anderer sich zum Startspieler erklärt? Und dann ist da noch das unverdiente Glück des Zweiten, dem meistens immer noch gute Aktionen – hier Karten – zur Verfügung stehen, ohne etwas dafür getan zu haben. Bei “First Class” erhält der Starspieler einen Bonus, verzichtet aber auf den Erwerb einer Karte. Alle anderen erhalten einen kleinen Bonus, nur der Zweite geht leer aus. Mir hat diese Idee gut gefallen, das ganze Spiel übrigens auch. Die Spieler versuchen ihren eigenen Zug zu vergrößern und aufzuwerten und ihre eigene Bahnstrecke auszubauen. Siegpunkte und Boni gibt es nur, wenn der Zugschaffner die Waggons besucht hat, und der Zug muss auf der gebauten Strecke entsprechend weit vorangekommen sein. Man muss also die Balance finden zwischen Ausbau und Fahren. Dafür braucht man die passenden Karten oder muss durch ein paar Kniffe sein Ziel erreichen.

Ein Spielerlebnis ganz anderer Art erwartete mich bei “Not Alone” von Corax Games. Das Thema ist witzig: Ein Alien-Spieler versucht ein bis sieben Bewohner der Erde zu assimilieren und dadurch seine Lizenz zur Heimkehr erhalten. Die Erdlinge versuchen, sich zu verstecken und dem Alien zu entkommen. Auch dieses Spiel funktioniert über Karten, mit denen die Erdlinge zu Beginn jeder Runde verdeckt einen Ort als Versteck auswählen. Das Alien setzt sich dann auf einen Ort und hofft, dort ein Opfer zu finden – Erfolg macht einen Schaden, bringt das Alien seiner Abreise näher, und die Sonderaktion dieses Ortes entfällt. Da ist Bluff, ein bisschen Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten und viel Glück dabei. Ich könnte jetzt behaupten, nur der überragenden Taktik meiner Erdling-Gruppe war das Entkommen vor dem Alien zu verdanken. In Wirklichkeit war es eher der konzentrationsstörende Hallenlärm und Glück. Mein Eindruck: Es macht in großer Besetzung mehr Spaß – wir waren nur drei. Und wenn die Gruppe die Überraschungsmomente genießt, kann es richtig witzig werden.

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