Mysteriöse Morde

Mysterium. Fotos: Libellud„Mysterium“ begibt sich auf die Spuren eines Killers. Wer ermordete im Dezember 1894 den Hausdiener des Grafen von Warwick? Der rastlose Geist des Opfer hilft bei der Suche nach dem Täter.

Hat jemand diese Frau gesehen? Sie gilt als Verdächtige.

Hat jemand diese Frau gesehen? Sie gilt als Verdächtige.

„Mysterium“ von Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko erinnert ein wenig an „Cluedo“, den Spieleklassiker aus den 40er Jahren. Doch diesmal müssen die Ermittler zusammenarbeiten. Ein weiterer Spieler übernimmt die Rolle des Geistes. Er muss seinen Mitspielern geschickte Hinweise geben – zum Tatort, zur Mordwaffe und letztlich auch zum Täter. Doch das gestaltet sich schwierig: Der Geist darf nicht reden. Ihm stehen ausschließlich zufällig gezogene Karten mit verschiedenen Bildmotiven zur Verfügung. Surreale albtraumhafte Bilder, in denen Figuren, Formen und Gebäude oft nur schemenhaft angedeutet sind. Beliebig viele dieser Karten darf der Geist verteilen. Die Detektive müssen aus diesen schließlich gemeinsam die richtigen Schlüsse ziehen.
Hinzu kommt: Jeder Spieler erhält in den ersten drei Runden unterschiedliche Hinweise auf das Mordgeschehen. Schlug der Koch mit der Bratpfanne im Kinderzimmer zu? Oder war es eine Abenteurerin, die in der Gartenlaube zur Pistole griff? Die Ermittler dürfen darüber diskutieren. Nur in der letzten Runde muss sich jeder alleine nach neuen Hinweisen für eines der Szenarien entscheiden. Wer bis dahin besser kombiniert hat, erhält vom Geist mehr Tipps als die anderen. Liegt die Mehrheit der Spieler schließlich richtig, darf der rastlose Geist endlich ruhen. Andernfalls müssen sich die Ermittler im nächsten Jahr erneut auf Spurensuche begeben.
War der koch der Täter?

War der koch der Täter?

Ein Kernproblem des Spiels sind die gezeichneten Traumbilder: Die sind zwar wunderschön, aber auch so abstrakt, dass sie oft nur wenig verraten und vielfach interpretiert werden können. Bisweilen ist denn auch ihre Farbigkeit der einzige brauchbare Hinweis. So benötigen die Spieler neben einer guten Kombinationsgabe auch eine gehörige Portion Glück. Und warum ausgerechnet in der letzten Rolle, nachdem bis dahin alle Detektive so gut zusammengearbeitet haben, doch wieder jeder seinen eigenen Weg geht, ist nicht ganz einleuchtend.

Das gibt drei Punkte.Fazit: „Mysterium“ ist atmosphärisch sehr gelungen, wirkt aber ein wenig „überfrachtet“. Zu viele Spieleelemente verderben ein wenig den Brei – und die Traumbilder lassen zu viele Deutungsmöglichkeiten zu. Das regt zwar zu hitzigen Diskussionen an – aber da auch der Geist angesichts der Kartenauswahl oft ratlos ist, welche Hinweise er daraus nun kredenzen soll, liegen Spiellust und Spielfrust eng beieinander. Der Spaß hängt hier ganz wesentlich von den Teilnehmern ab. Wer gerne Geheimnisse entschlüsselt, dem wird „Mysterium“ viel Freude bereiten. Wer dagegen lieber gegen die Uhr spielt oder den Wettkampf sucht, der sollte besser zu einem anderen Spiel greifen.

Mysterium
2-7 Spieler, Verlag Libellud (Vertrieb Asmodee), knapp 40 Euro
Alter: ab 10 Jahren
Spielmaterial: sehr hübsch, aber auch sehr anspruchsvoll
Anleitung: gut

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