Mea culpe!

Ein Königreich für sechs Abenteuer: Andor. Fotos: Kosmos-Verlag

Ein Königreich für sechs Abenteuer: Andor. Fotos: Kosmos-Verlag

Entschuldigung! Ich habe mich hier in den vergangenen Wochen ein wenig rar gemacht. Schuld daran sind „Die Legenden von Andor“. Das neue Werk von Michael Menzel ist so phänomenal gut, dass ich es am liebsten rund um die Uhr spielen würde – statt darüber zu schreiben.

Familie Z. aus Reinheim, mit der ich die meisten neuen Spiele teste, ist in jüngster Zeit ganz besonders freundlich zu mir. „Wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen“, sagen sie zum Beispiel, wenn ich gerade den zweiten Abend in Folge bei ihnen war. Die Sehnsucht nach dem Bekloppten von der Zeitung liegt aber nicht an mir. Denn sofort schieben sie hinterher: „Und bring unbedingt die Legenden von Andor wieder mit.“ Dieses Spiel macht offenbar nicht nur mich süchtig.

Die Handlung ist rasch erklärt. Zwei bis vier Helden – Bogenschütze, Zauberer, Zwerg und Krieger – müssen das sagenumwobene Königreich Andor und seinen alten König Brandur beschützen. Und Gefahren lauern überall: Düstere Gors, mächtige Wardraks, fiese Trolle, kämpferische Skrale und ein riesiger Drache sind auf dem Weg zur Burg. Ihre Ankunft muss unbedingt verhindert werden: Werden es in der Burg zu viele Kreaturen, ist das Spiel verloren. Für die anstehenden Kämpfe – die ausgewürfelt werden – haben unsere Helden unterschiedliche Stärken; die Feinde aber auch. Und mit jedem besiegten Feind rückt das Ende näher. Wer zu viele Gegner tötet, dem fehlen zum Schluss womöglich die entscheidenden Züge. Gleichzeitig müssen die Helden knifflige Aufgaben erfüllen – etwa ein wichtiges Heilkraut oder Bauern in die Burg bringen.

Das Spiel im Überblick

Das Spiel im Überblick

„Die Legenden von Andor“ verfolgt einen kooperativen Ansatz. Unsere Helden müssen zusammenarbeiten. Nur wenn die Spieler gemeinsam kämpfen und Pläne schmieden, haben sie eine Chance. Das ist ein ungewöhnliches Konzept – und spannender als so mancher Krimi. Ein Spiel zum Nägelkauen. Denn die Zeit schreitet unerbittlich voran, und die Feinde kommen immer näher. Außerdem warten im Nebel – hier symbolisiert durch kleine Plättchen – böse Überraschungen. Auch Ereigniskarten sorgen für unerwartete Wendungen und treiben die Handlung voran.

Ich muss zugeben, ich habe noch nie ein so perfekt durchdachtes Spiel erlebt. „Die Legenden von Andor“ ist unheimlich liebevoll gestaltet. Es gibt eine „Losspiel-Anleitung“ für ganz Eilige, ein Begleitheft, Hilfstafeln und gleich zwei Spielpläne. Die Helden existieren ebenfalls in zwei Varianten: Weibliche Spieler können also statt dem Bogenschützen auch die Bogenschützin nehmen. Alle Spielfiguren, vom Drachen über das Geröll und den Trinkschlauch bis zu Prinz Thorald, dem Heilkraut oder den Schildzwergen sind ausgesprochen hübsch.

Der Clou ist aber: Jedes Spiel ist anders. Sechs Szenarien gibt es, von den „Tagen des Widerstands“ bis zum „Erbe des Drachen“. Sie stellen die Helden immer wieder vor neue Herausforderungen, sodass sich bisweilen hitzige Diskussionen ergeben: Wer rettet denn nun das Heilkraut, und wer stellt sich den Wardraks in den Weg? Und wer frischt am Brunnen nochmal schnell seine Willenskräfte auf?

Das klingt alles ziemlich kompliziert, und das ist es auch. „Die Legenden von Andor“ ist kein Spiel für zwischendurch; eine Partie dauert rund zwei Stunden. Und trotzdem wird es nie langweilig, denn Erfinder Menzel sprüht vor faszinierenden Ideen. Der Glücksfaktor ist trotz der Würfelei bei den Kämpfen recht gering. Wenn dieses Spiel 2013 nicht alle bedeutenden Auszeichnungen gewinnt, fresse ich einen Besen.

Das gibt sechs Punkte.Fazit: Ein sensationelles Spiel. Könnte ich sieben Würfelpunkte vergeben – ich würde es tun.

 

Eckdaten: 

Die Legenden von Andor

2-4 Spieler, Kosmos-Verlag, rund 30 Euro

Alter: ab 10 Jahren

Dauer: mindestens 90 Minuten

Anleitung: sehr gut

Spielmaterial: wundervoll

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6 Responses to Mea culpe!

  1. Paul sagt:

    Wir haben das Spiel mit meiner Familie uns jetzt auch geholt und ich kann deinem Beitrag nur zustimmen, es ist richtig geil.

    Anleitung ist auch gut,

    Danke

  2. Marc sagt:

    Wir haben die zwei ersten Szenarien (oder war es nur das erste) gespielt. Was ganz gut funktioniert ist, dass das Spiel ohne Spielleiter auskommt, der alleine gegen die anderen Spieler spielt. Das ist bei dem Genre ja eher selten.

  3. Hallo…also ich finde „Die Legenden von Andor“ ist eines der besten Brett Spiele was es im Moment gibt…wir spieln es fast jedes Wochenende für Stunden…machte riesigen Spaß…

  4. Sebastian sagt:

    Spiel kommt gleich nach Siedler in unserer Rangliste. Oft dran vorbeigelaufen und dann letztendlich doch geholt. War kein Fehler und macht echt Spaß das Spiel!

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