Lokomotive mit Dampfkessel

zuzbox„Zug um Zug“ ist längst ein moderner Klassiker. Das nordamerikanische Eisenbahnbauspiel des Briten Alan R. Moon war „Spiel des Jahres 2004“ und wird seitdem Jahr für Jahr um neue Varianten ergänzt. Die beiden neuesten Erweiterungen – United Kingdom und Pennsylvania – sind allerdings nur eingeschränkt zu empfehlen..

„Zug um Zug“ hat Suchtfaktor. Bahnstationen müssen möglichst geschickt miteinander verbunden werden. Das ist vom Regelwerk her nicht sonderlich schwierig, bietet taktisch aber dennoch eine enorme Tiefe. Ich könnte es täglich stundenlang spielen, und – hoppla – genau das tue ich auch. Die beiden neuen Spielpläne ermöglichen nun auch den Kampf um Aktienmehrheiten und Technologien. Das ist eine ganz neue Erfahrung.

zuzplanUnited Kingdom: Ein eigener Spielplan für Großbritannien war überfällig. Er erinnert zunächst ein wenig an die Europa-Karte aus dem Jahr 2005. Fährverbindungen spielen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen zahlreiche neue Technologien und Konzessionen. Das Spiel startet zunächst in England. Wer Frankreich, Schottland, Irland oder Wales erobern will, muss dafür zunächst die entsprechenden Konzessionen kaufen. Preis: eine Lokomotive. Oder vier Karten. Und auch der Bau größerer Strecken verlangt zunächst nach der Entwicklung der passenden Technologien. Wer 4er-, 5er- oder 6er-Routen bauen will, braucht beispielsweise einen Dampfkessel mit Überhitzer. Für 3er-Strecken ist ein Stoker nötig, für Fährverbindungen eine Schiffschraube. 14 verschiedene Konzessionen und Technologien stehen bereit – und machen das Spiel ausgesprochen unübersichtlich und fehleranfällig. So manche Besonderheit ist leicht zu übersehen. Hinzu kommt das Sprachproblem: Im Regelheft werden deutsche Begriffe erwähnt, auf den Technologiekarten stehen jedoch die englischen Bezeichnungen: zum Beispiel Boiler Lagging oder Superheated Steam Boiler. Auch das verwirrt. Hinzu kommt ein nicht immer eindeutiges Regelwerk. Braucht es für den Bau einer Strecke in Schottland bereits die entsprechende Länderkonzession? Oder muss man diese nur für die Verbindung von Schottland nach England erwerben? Die Frage bleibt unbeantwortet. Ebenso wie die Frage, warum das kleine Wales bei den Konzessionen genauso teuer ist wie Frankreich und Irland zusammen. Hinzu kommt die übertrieben wertvolle Fährverbindung von Southampton nach New York, die den Spielausgang fast alleine entscheidet.

Fazit: Der Großbritannien-Spielplan ist ausgesprochen interessant, aber an vielen Stellen nicht gut durchdacht. Daraus hätte man wesentlich mehr machen können.

Pennsylvania: Auch Spielplan Nummer zwei setzt auf ein neues Element. Diesmal wird um Aktienmehrheiten gekämpft. Erneut geht es zunächst darum, Zielstädte miteinander zu verbinden. Doch im Gegensatz zum Originalspiel gibt es für die Einzelstrecken keine Punkte. Dafür liegen am Wegesrand der einzelnen Routen Aktien der verschiedenen Bahngesellschaften. Zum Schluss gibt es nur noch Punkte für die erfüllten Tickets und für die im Spielverlauf erworbenen Aktien. Die großen Einzelstrecken sind nun weniger wertvoll als im Originalspiel – schließlich gibt’s für eine 5er-Strecke auch nur eine einzige Aktie, genau wie für eine 2er-Strecke. Die großen Routen dienen „Schnellspielern“ höchstens noch dazu, das Tempo zu verschärfen und die Gegner ein wenig unter Druck zu setzen.

Fazit: Pennsylvania lohnt sich vor allem für größere Gruppen. Bei drei bis fünf Spielern ist der Kampf um Aktienmehrheiten schön unübersichtlich und entsprechend spannend. Eine gelungene Variante.

Das gibt vier Punkte.Aber aufgepasst: „United Kingdom und Pennsylvania“ ist nur in Verbindung mit einem der Originalspiele „Zug um Zug USA“ oder „Zug um Zug Europa“ spielbar.

Zug um Zug – United Kingdom und Pennsylvania
Zahl der Spieler: 2-4 (UK), 2-5 (Pennsylvania)
Verlag Days of Wonder
Preis: ca. 35 Euro
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: 30-60 Minuten
Anleitung: könnte besser sein
Spielmaterial: gelungen

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