Fette Beute

 

Keine Angst, sie wollen nur spielen: Klaus und Benjamin Teuber. Fotos: kth

Keine Angst, sie wollen nur spielen: Klaus und Benjamin Teuber. Fotos: kth

Mit den „Siedlern von Catan” hat Klaus Teuber eines der erfolgreichsten Familienspiele der vergangenen Jahrzehnte geschaffen –  20 Millionen Exemplare  wurden weltweit verkauft. Nun hofft der Roßdörfer auf „fette Beute”: Sein neues Spiel „Norderwind” handelt  vom Kampf  gegen gierigen Piraten.
Trutzhavn, Olesand und Norderkap ist es nicht gut ergangen in den vergangenen Tagen. Niedergebrannt und geplündert wurden die Städte, vom einstigen Reichtum ist wenig geblieben. Doch Klaus Tauber (61) und sein Sohn Benjamin (29) schreiten zur Rettung: „Wir versuchen unser Bestes”, sagt Teuber und lächelt verschmitzt.  Denn eigentlich fängt für die drei Orte der Ärger jetzt erst richtig an.

Klaus Teuber und sein Meisterwerk

Klaus Teuber und sein Meisterwerk

Ehe er Spieleerfinder wurde, verdiente der gebürtige Rai-Breitenbacher seine Brötchen als Zahntechniker. Doch das ist lange her. 1988 wird sein Knetfiguren-Abenteuer „Barbarossa” das „Spiel des Jahres”. 1990 und 1991 folgen mit „Adel verpflichtet” sowie  „Drunter & Drüber” weitere Erfolge. Die „Siedler von Catan” schließlich bedeuten 1995 Teubers Durchbruch, sie werden zum Exportschlager in 22 Länder. Das Strategiespiel um die Eroberung einer unbekannten Insel, das mehrere Verlage ablehnten,  wird zum Aushängeschild eines neuen Genres, der „German-Style Games” – hochwertiger Autoren-Spiele mit kurzem Regelwerk und begrenzter Spieldauer. Die „Siedler von Catan” gewinnen alle bedeutenden Preise – und 2010 wird Teuber von französischen Kritikern sogar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Längst  lechzen die Fans landauf, landab nach Neuigkeiten aus dem Hause Teuber. Genauer gesagt: Sie warten auf Neues aus einem kleinen Reihenhäuschen im Süden Roßdorfs. Dort residiert die Catan GmbH, die Klaus Teuber 2002 gegründet hat. Sein Dentallabor hat er längst verkauft, nun kümmert er sich mit der eigenen Firma um seine Online-Siedler und exklusives Zubehör wie den Siegpunkte-Anzeiger. Sohn Benjamin hilft bei den Grafiken und der Lizenzverwaltung. Teubers anderer Sohn Guido, der in den USA wohnt, kümmert sich um die Vermarktung in Nordamerika.

Der Prototyp des Norderwind-Spielbretts

Der Prototyp des Norderwind-Spielbretts

Nun also „Norderwind”. Ende Januar wird es auf der Spielwarenmesse in Nürnberg erstmals vorgestellt, im  März könnte es  dann im Handel erscheinen. Ein fertiges Exemplar hat Klaus Teuber selbst noch nicht: „Das geht erst demnächst in Produktion.” Startauflage: 15 000 Stück. Dabei ist jetzt schon absehbar, dass die Nachfrage weitaus höher sein wird.

Die Idee zu seinem neuen Spiel habe er im Herbst 2012 gehabt, erzählt der Erfinder. Wie bei seinen „Siedlern von Catan” träumt er sich gerne in fremde, ferne Welten. In diesem Fall in drei fiktive Orte, irgendwann im 15. oder 16. Jahrhundert. Trutzhavn, Olesand und Norderkap wurden von Piraten heimgesucht. Nun sollen sie wieder befreit werden – doch die Spieler, die mit ihren Schiffen heransegeln, müssen nicht nur die bösen Freibeuter besiegen, sondern machen  sich  auch noch gegenseitig das Leben schwer. Was für ein Gemetzel.
„Ein erfolgreiches Spiel ist relativ einfach”, sagt Teuber. Wieder und wieder hat er die Regeln aufgebläht und abgespeckt, im heimischen Hobbykeller Prototypen aus Pappe gebastelt und mit seinem Sohn Benjamin und Ehefrau Claudia über das Design diskutiert.  Zu diesem Zeitpunkt lautete der Arbeitstitel noch „Händler der Meere” – und Norderkap nannte sich noch Elasund. Doch weil Teuber 2005 bereits ein Spiel gleichen Namens erfunden hat, tauft er den Ort schließlich um.
_DSC7741-2Auch andere Korrekturen sind früheren Erfolgen geschuldet: Statt wie bei den „Siedlern” um Schafe und Erz rangeln die Spieler bei „Norderwind” eben um Fische und Salz. Und auch die Stürme, die er sich zunächst zum Kartenmischen ausgedacht hatte, verschwinden wieder. Das Spieleerfinden, sagt Teuber, sei eben manchmal „ein langer Prozess mit vielen Irrwegen”.
Und ein neuer Prozess ist längst im Gange: Benjamin und Klaus Teuber tüfteln bereits an ihrem nächsten Spiel – einem Vampir-Abenteuer.

 

Und jetzt zum Spieletest:

Testspiel-Armada

Testspiel-Armada

Was so ein richtiges Segelschiff ist, das hat einiges an Bord. Die Windjammer, mit denen Klaus Teubers Spieler bei „Norderwind” die Küste ansteuern, haben nicht nur Kajüten für die Matrosen, sondern  sogar bordeigene Gefängnisse. Hier werden die besiegten Piraten weggeschlossen.
Nun denn. Gemeinsam mit Benjamin und Klaus Teuber schreite ich zum  Test. Benjamin entscheidet sich für Gelb als Spielfarbe, Klaus für Blau. Die meisten Spieler haben solche Vorlieben – sei es aus Aberglauben, sei es aus Gewohnheit. Die roten Figuren haben das Pech, in meine Hände zu gelangen.
Jeder Spieler erhält sein eigenes Schiff, mit dem er wahlweise die drei Orte Trutzhavn, Olesand oder Norderkap von den Piraten befreien soll. Vor Ort entscheiden jeweils  Kartenstapel über den Erfolg der Mission. Dahinter verbergen sich Freibeuter, Aktionen oder Handelswaren für teuer Geld. Letztlich geht es darum, möglichst geschickt Holz, Nahrung, Wein, Salz und Fische zu kaufen und zu verkaufen. Gleichzeitig müssen in den drei Städten Aufträge erfüllt werden – etwa das Abliefern bestimmter Waren oder Goldmünzen. Wem das gelingt, der darf ein Klötzchen zurücklassen. Für die Klötzchen-Mehrheiten in den einzelnen Städten dürfen weitere Steine gelegt werden. Wer zuerst all seine Steine platziert hat, gewinnt. Ziel ist es also, möglichst überall mitzumischen. Wer mit seiner Mission scheitert, erhält als Trostpflaster einen Handelsbrief – der verschafft ihm in der nächsten Runde einen  Vorteil.

Prototyp mit handschriftlichen Verbesserungsvorschlägen

Prototyp mit handschriftlichen Verbesserungsvorschlägen

Die Regeln von „Norderwind” sind so einfach, dass selbst ich sie gleich verstehe. Trotzdem gibt es natürlich Feinheiten: Die Höhe des Segels, das am Schiffsmast hängt, bestimmt, wie viele Karten man ziehen darf. Je höher, desto besser.  Und durch das geschickte Platzieren der Matrosen lassen sich weitere Vorteile erzielen.
Doch mir gelingt all das kaum. Wieder und wieder entscheide ich mich für die falschen Kartenstapel – und wenn ich einem Piraten gegenüberstehe, versagen meine Bordkanonen. Verdammtes Würfelpech!  Der Vorsprung von Benjamin Teuber wächst von Runde zu Runde. Aber das sei normal, findet sein Vater: „Der Benny gewinnt meistens.”
Früher, sagt Klaus Teuber, da habe er seine Figuren noch mit der Laubsäge  selbst gebastelt. Heute lasert ein Spezialist die Kunststoffstücke. Im fertigen Spiel werden es dann aber doch hölzerne Gesellen sein. Sie werden in kleine Schlitze an Bord der Schiffe gesteckt.
Das Design des Teuber’schen Prototypen ist einfach, aber hübsch. Im späteren Spiel werden es Illustrationen von Franz Vohwinkel sein. Den hat Klaus
Teuber  1986 über eine Annonce im „Darmstädter Echo” kennengelernt, als er für ein anderes Spiel einen Grafiker suchte. Seitdem arbeiten beide zusammen – auch wenn Vohwinkel mittlerweile in Seattle in den USA lebt.
Aus dem Dreikampf ist längst ein Zweikampf geworden. Benjamin und Klaus Teuber ringen miteinander um den Sieg, während mir mittlerweile sogar die Goldmünzen fehlen. „Du darfst das Geld nie ausgehen lassen”, wird Benny mir später sagen – und grinsen. Natürlich kennt er nach ein paar Minuten alle Kartenstapel auswendig, während ich noch darüber grübele, welche Hindernisse mich in Norderkap oder Olesand erwarten. Trotzdem macht „Norderwind” Spaß. Ein abwechslungsreiches Spiel.

Segelschiff mit vier Matrosen an Bord - aber leider ohne wertvolle Ladung

Segelschiff mit vier Matrosen an Bord – aber leider ohne wertvolle Ladung

Nach einer halben Stunde nähert es sich dem Ende – und selbst sein Erfinder macht  nun  einen Fehler. Klaus Teuber übersieht, dass er zu wenige Piraten gefangen genommen hat. Jetzt ist Benny der Sieg nicht mehr zu nehmen. „Ausgeblutet war ich”, sagt Klaus Teuber. Von meinem dritten Platz reden die beiden schon gar nicht mehr.
Mehrere  Freunde und einen Verein hat Teuber das Spiel bereits testen lassen. Tina und Ina aus dem Ruhrgebiet, sagt er, hätten es zum Schluss gar nicht mehr zurückgeben wollen. Ich kann Tina und Ina verstehen.

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Eine Antwort auf Fette Beute

  1. hexenpapa sagt:

    Hallo! =o)

    Na, das liest sich ja mehr als interessant, da freue ich mich auf die Veröffentlichung!!! ;o)

    Viel Erfolg auch mit diesem Spiel!!! =o)

    Ich bin immer wieder begeistert, wieviel schöne – und abwechslungsreiche – Spielstunden wir verbringen können… =o)

    Herzlich liebe Grüsse, hexenPapa Andi =o)

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