Drei Kandidaten

 

Colt Express. Foto: Ludonaute

Colt Express. Foto: Ludonaute

Die Spannung steigt. Drei Verlage stehen in den Starlöchern, um den renommierten Preis zum „Spiel des Jahres“ am 6. Juli in Berlin entgegenzunehmen. Wer lästern möchte, bezeichnet den Preis als Lizenz zum Geld-Verdienen, hat Vorschläge für wesentlich Geeigneteres und meckert in einschlägigen Foren stundenlang über die Auswahl. Hier folgt ein Blick auf die drei Nominierten in alphabetischer Reihenfolge – Wetten sind noch möglich.

 

Von Lotte Schüler

Colt Express“ von Christophe Raimbault aus dem Verlag Ludonaute: Wenn erst mal die Wild-West-Eisenbahn dreidimensional auf dem Spieltisch steht, erwacht der Spieltrieb. Wie es sich für einen Western gehört, versuchen Gangster an Geld und Schmuck zu kommen. Dazu gibt es Aktionskarten, mit denen jeder seinen kriminellen Reisenden programmiert. Dabei sind Chaos, Schadenfreude und Lacher programmiert. Denn nicht immer weiß man, was die anderen planen. Und deren Aktionen können den eigenen Ganoven auch mal einen Wagen weiter katapultieren, eventuell direkt in die Arme des Sheriffs. Wenn die Spielerunde das Ganze wie einen Hollywood-Western zelebriert, ist Spaß garantiert. Wer mit Taktik versucht, die dickste Beute zu machen, könnte eher frustriert den Ort der verbrecherischen Umtriebe verlassen. Das liebevoll gestaltete Spielmaterial trägt erheblich zur Atmosphäre bei Die Spielregel mit relativ vielen Details ist eher hinderlich.

 

Machi Koro. Foto: Kosmos

Machi Koro. Foto: Kosmos

Machi Koro“ von Masao Suganuma vom Kosmos-Verlag: Das klingt japanisch, stammt von einem japanischen Autor, ist aber ein typisch europäisches Spiel. Es geht um den Bau einer Stadt aus Karten – nein, kein geschicktes Stapeln ist nötig, eher ein geschicktes Würfeln. Denn jede Karte repräsentiert einen Bestandteil der Stadt, den man kaufen kann. Das Geld dazu erhält man, wenn die richtige Zahl eigener, schon gebauter Karten gewürfelt wird. Welche das ist, steht auf der Karte. Ganz nebenbei wundere ich mich ein wenig, wie sich Weizenfelder, Wälder und Bergwerke in der Stadt verirrt haben. Aber das ist vermutlich kleinlich. Wer viel gebaut hat, der hat auch Chancen auf hohe Einnahmen, kann immer mehr bauen und schließlich mit der Vollendung des fünften Großprojektes das Spiel gewinnen.  Würfeln, kassieren und damit weiter bauen, hatten wir nicht schon mal? Ach ja, da gab es mal die „Siedler von Catan“ vom gleichen Verlag. Sogar das Klauen bei den Mitspielern ist möglich. Dazu braucht man räuberische Cafés oder Familienrestaurants und natürlich das passende Würfelergebnis.

 

The Game. Foto: Nürnberger Spielkartenverlag

The Game. Foto: Nürnberger Spielkartenverlag

The Game“ von Stefen Benndorf aus dem Nürnberger Spielkartenverlag: Wenn man es nüchtern betrachtet, ist das Spiel eine kooperative Patience mit den Zahlen von eins bis hundert. Vier Reihen liegen aus, an die sollen bei Spiel-Ende möglichst alle Karten regelkonform angelegt sein. Sortieren scheint ein grundlegendes Bedürfnis von uns Menschen zu sein, hier kann man das alleine oder mit anderen voll ausleben. Allerdings gab es vor zwei Jahren schon einmal ein kooperatives Sortierspiel – „Hanabi“ van Antoine Bauza von Abacusspiele. Und das finde ich erheblich pfiffiger. Da sollen die Handkarten auch an bestehende Reihen angelegt werden, aber man zieht blind. Jeder kennt nur die Karten der anderen. Von den eigenen weiß man allenfalls durch Hinweise der Mitspieler, ob man legen oder abwerfen sollte. Bei „The Game“ gibt es ebenfalls Tipps der Mitspieler, so in der Art „Lege auf keinen Fall an diesem Stapel an, da hab ich was auf der Hand“. Das ist regeltechnisch wohl das einfachste Spiel. Man kann es mit Geschick und Glück schaffen, dass am Ende alle Karten gelegt werden konnten, meistens bleiben aber ein paar übrig und werden als Miese dem Highscore zugerechnet.

 

Und mein persönlicher Favorit? Zugegeben, keines der drei nominierten Spiele, sondern „Cacao“, ein Legespiel vom Verlag Abacusspiele – wenn mal ein bisschen Taktik dabei sein soll. Und „Ugo“, ein Karten-Stichspiel aus dem Kosmos-Verlag – wenn Schadenfreude die reinste Freude sein soll.

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