Besuch in Essen (5)

Die Minions machen jetzt Wikingerschach. Foto: Lotte Schüler

Die Minions machen jetzt Wikingerschach. Foto: Lotte Schüler

Mit 162.000 Besuchern meldet die Spielemesse in Essen einen neuen Rekord. Ein von ihnen war Lotte Schüler. Hier ihr Bericht:

Unter den fast 1000 Ausstellern befinden sich nicht nur Verlage für Brett- und Kartenspiele. Ein überdachter Außenbereich ist einigen Futterständen und den Kindern vorbehalten. Hier sorgen professionelle und ehrenamtliche Kinderbespaßer dafür, dass die lieben Kleinen sich austoben können. Und bei den Spieleanbietern gibt es auch einige, deren Produkte Schnittmengen zwischen Spielen und Sport erkennen lassen. Schon länger bekannt ist das Mölkki“ oder Kubb“ (auch Wikingerschach genannt). Das Spiel gehört in die Familie der Kegelspiele, braucht aber keine aufwändige Bahn sondern nur eine ebene Freifläche. Während des Heinerfests gibt es im Herrngarten ein Kubb-Turnier mit dem Darmstädter Spieleverein. Die finnischen Hersteller von Mölkki haben jetzt auf die Beliebtheit der Minions gesetzt und eine kindertaugliche, stark vereinfachte Variante dieses Wurfspiels herausgebracht, bei der die Kegel von den putzigen Minions repräsentiert werden.

Shakespeare. Foto: Schüler

Shakespeare. Foto: Schüler

Aber zurück zum den Spielen, bei denen wieder alle brav um den Spieltisch sitzen und in andere Welten eintauchen. Gehen wir mal 450 Jahre zurück zu „Shakespeare“ und seiner Theatertruppe. Das Spiel trägt den Namen dieses englischen Dichters. Es wird ab 13 Jahren empfohlen, wurde von Hervé Rigal entwickelt und ist bei Asmodee erschienen. Endlich mal selber Theaterbesitzer sein, freuen sich meine Mitspieler, bei denen dieses Mal ein junges Paar aus Frankreich ist – ich erwähnte schon, die Messe ist international. Auch wenn das Theater nur als künsterlisch gestaltetes Tableau vor uns liegt, wir müssen dafür Schauspieler anheuern, die kapriziösen Künstler bei Laune halten, mit Kostümen ausstatten und wenn möglich von einem Trupp Handwerker die Bühne zu einem Hingucker ausbauen lassen. Interessant ist, wie die Spielerreihenfolge festgelegt wird –  Bescheidenheit bei Anzahl der gewählten Aktionen wird belohnt. Interessant ist auch, wie jeder sein Personal bestimmt, dem er in der neuen Runde eine Pause gönnen muss.

Während der letzten Messestunde reicht meine geistige Kapazität eigentlich nur noch für leichte Kost. Da werde ich beim Heidelberger Verlag fündig, der „Die unüblichen Verdächtigen“ herausbrachte, ein Werk des Autors Paolo Mori, empfohlen ab 13 Jahren. Zwölf Verdächtige stehen vor den Spielern, na ja, eigentlich liegen sie als Karten auf dem Tisch. Ein Spieler übernimmt die Rolle des Zeugen und verrät etwas von den Gewohnheiten des Täters, so etwas wie „macht Yoga“, „spielt gerne Brettspiele“ oder „ist verheiratet“. Der Zeuge entscheidet, ob auf den ihm bekannten Täter solch eine Eigenschaft zutrifft. Dabei muss er sich von den Bildern und seinen Empfindungen leiten lassen. Die Spieler diskutieren, welcher der Verdächtigen damit nicht in Frage kommt. Übelregungen wie „der sieht etwas unglücklich aus, der ist bestimmt verheiratet“ oder „so wie diese Dame guckt, hat sie bestimmt gerade ihren reichen Ehemann beerbt“ lassen alle Vorurteile fröhliche Urstände feiern. Und wenn alle Vorurteile bestätigt sind, sollte am Ende der wahre Täter übrig bleiben. Der Spielregel hätten ein paar mehr erklärende Sätze gutgetan, aber ansonsten kann das Spiel in der richtigen Runde zum unterhaltsamen Partyspaß werden.

Genug für heute. Morgen werfe ich mal einen Blick auf die Listen der vom Publikum für besonders toll erachteten Spiele. Wenn die Annahme von so etwas wie Schwarmintelligenz zutrifft, dann findet sich dabei tatsächlich die eine oder andere spielerische Perle. Und natürlich lasse ich alle Leser dieses Blogs an den Ergebnissen der Schwarmintelligenz teilhaben.

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