Erste Hilfe bei Schlafproblemen

Was tun, wenn der Schlaf wegbleibt? Schäfchen zählen?  Auf keinen Fall sollte man in solchen Fällen sofort zu Schlaftabletten greifen. “Medikamente sind nur die zweitbeste Lösung”, so Professor Martin Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Elisabethenstift in Darmstadt. Schlafmittel seien bei akuten Krisen, wenn etwa ein naher Angehöriger gestorben ist oder schwere Depressionen hinzukommen, sinnvoll. In vielen Fällen helfe es, bestimmte Verhaltensweisen zu erlernen, die langfristig einen gesunden Schlaf fördern. Dazu zähle etwa der Einsatz von Entspannungsmethoden, der Verzicht auf Kaffee, Nikotin und Alkohol am Abend und Bewegung an frischer Luft.

Hier die Ratschläge:

  • Schreiben Sie abends eine To-Do-Liste: Kleine Sorgen, die einem abends durch den Kopf gehen und beschäftigen, sollte man aufschreiben, rät die Darmstädter Psychologin Ines Passier. Dann müsse man keine Angst haben, dass man sie tags darauf vergisst. Manchmal helfe es auch, ein Stressbewältigungsseminar zu besuchen oder sich über ein besseres Zeitmanagement zu informieren.
  • Gehen Sie nachts auf eine Fantasie-Reise: Die Ärztin Ina Pfau vom Schlaflabor Darmstadt rät bei chronischen Durchschlafstörungen zu Übungen wie der progressiven Muskelentspannung. “Ich würde es erst einmal ohne Medikamente versuchen”, so Ina Pfau. Um die Gedanken runterzufahren und das Kopfkino auszuschalten, empfiehlt sie auf eine Fantasie-Reise zu gehen, um langsam aber sicher ins Reich der Träume zu gleiten.
  • “Es gibt viele einfache Dinge, die man selbst tun kann, sagt die Psychologin Ines Passier vom Caritas-Verband. Zum Beispiel den Wecker so stellen, dass man nicht jedesmal, wenn man sich schlaflos im Bett wälzt, auf die Uhr schaut. Oder nach spätestens 15 Minuten aufstehen, einen Tee trinken oder leise Musikhören oder die Zeitung lesen – und es dann nochmal zu versuchen.
  • Wenn alle Hausmittelchen nicht helfen: den Hausarzt aufsuchen, um mit ihm das weitere Vorgehen zu beraten. Ist der Blutdruck gut eingestellt? Ist die Schilddrüse in Ordnung? Welche Medikamente werden eingenommen? Welche Begleiterkrankungen gibt es? All diese Fragen könne ein Hausarzt abklären.
  • Manchmal sind die Schlafprobleme aber auch körperlicher Art. Je älter man wird, desto schwächer wird beispielsweise das Bindegewebe, was zu einer Blockierung der oberen Atemwege führen kann. Schnarchen kann ebenfalls auf Probleme mit der Sauerstoffversorgung hinweisen. “Auch Vorhofflimmern geht oft mit einer Schlafapnoe einher”, so die Medizinerin Ina Pfau. Sie  rät, bei einem Lungenfacharzt oder einem HNO-Arzt ein Schlafapnoe-Screening zu machen. Während des Schlafs würden dann ganz automatisch Parameter wie Sauerstoffsättigung, Atemanstrengung der Brust und Bauchmuskulatur sowie der Atemfluss mit Schnarch-Ereignissen aufgezeichnet. Wird dabei festgestellt, dass es häufig zu einem Atemstillstand kommt, empfiehlt die Ärztin, ein Schlaflabor aufzusuchen.
  • Häufig angesprochen wurden die drei Experten auch von ECHO-Lesern, die unter dem “Restless Legs Syndrom” leiden, also unter ruhelosen Beinen, die nachts unter der Bettdecke kribbeln. Oft kommen noch starke Schmerzen dazu. An Einschlafen ist dann oftmals nicht mehr zu denken, eine große Tagesmüdigkeit und Schläfrigkeit sind die Folge. “Dagegen kann man mit Medikamenten etwas tun”, sagte Martin Hambrecht. “Unruhige Beine sind recht gut zu behandeln.” Oft sprechen die Patienten auch auf warme oder kalte Bäder, Massagen, Heizdecken, Eisbeutel oder Sport an, manchmal hilft auch Magnesium, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin.
  • Manchmal hilft eine Verhaltenstherapie.  Dabei geht es darum, neue Strategien zu erlernen, um die Schlafqualität zu verbessern. Ziel sei, “eine gelassene Grundhaltung zur Nacht einzunehmen und das Grübeln auszuschalten”, so der Neurologe Hambrecht. Das Problem: Die Wartelisten bei Psychotherapeuten sind lang. “Es ist sehr schwer, kurzfristig einen Termin zu bekommen.” Hambrechts Tipp: Sich an Ausbildungsambulanzen, die es beispielsweise in Frankfurt gibt, wenden. Studierenden empfiehlt er die psychologische Studentenberatungsstelle. Mit etwas Glück könne man dort etwas schneller einen Termin bekommen.
Dieser Beitrag wurde unter Medizin, Placebos abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>