Migranten im Alter

FotoEin neues Netzwerk „Midia – Migranten in Darmstadt im Alter“ will sich um die zunehmende Zahl von einstigen Zuwanderern kümmern, die in Darmstadt alt werden wollen. Dazu gehört etwa eine stärkere Vernetzung der Migranten-Selbsthilfegruppen und der verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege. Bei der Auftaktveranstaltung war  nur ein einziger Vertreter eines Darmstädter Altenheimes dabei. „Das Interesse ist in anderen Einrichtungen schon da“, sagt Stefan Rütten, Leiter des  AWO-Pflegeheimes in der Kasinostraße auf die Frage, warum keiner seiner Kollegen zum Treffen gekommen ist. Aus seiner Sicht mangelt es an der praktischen Umsetzung von multikulturellen Angeboten. Um eine Einrichtung für Migranten attraktiv zu machen, reiche es nicht aus, Muslimen auf dem Speiseplan nur eine Alternative zum Schweineschnitzel anzubieten. In Rüttens Einrichtung  gibt es beispielsweise im „Raum der Stille“ ein Becken für Waschungen.

Nach Ansicht des Bremer Pflegeforschers Stefan Görres haben Pflegeheime nur dann eine Chance zu bestehen, wenn sie den Alltag der Menschen und ihre Lebensverhältnisse wiedergeben. Migranten sind die  am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Im Jahr 2030 soll es bundesweit 2,8 Millionen Migranten geben, die über 60 Jahre alt sind. Bislang, so Görres Fazit, stünden die meisten Zuwanderer Pflegeeinrichtungen eher skeptisch gegenüber.

Nach einem Forschungsbericht, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2012 veröffentlicht hat, sind ambulante und stationäre Angebote der Pflege bei älteren Migranten wenig bekannt. Dies liegt vor allem an Sprachproblemen, Vorbehalten gegenüber Pflegeeinirichtungen und an der Unübersichtlichkeit des deutschen Pflegesystems. Viele hoffen auch darauf, dass sie von Familienmitgliedern gepflegt werden.

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