Meningitis – selten, aber gefährlich

In den vergangenen zwölf  Monaten haben die Ärzte des  Gesundheitsamtes  acht Fälle von bakterieller Hirnhautentzündung in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg registriert. Die Erkrankung ist  selten, kann unbehandelt aber zum Tod führen  – für einige Formen ist eine Schutzimpfung möglich.

Immer wieder gerät  die  Krankheit in die Schlagzeilen: Vor einem Jahr ist im Heidelberger Hauptbahnhof ein Zug mit 300 Passagieren angehalten worden, weil darin eine junge Frau mit Verdacht auf Meningitis saß. Die Waggons mussten anschließend  gründlich gereinigt und desinfiziert  werden – Meningitis ist ansteckend. Im Landkreis sorgte vor Monaten eine Aktion des Gesundheitsamtes für Unruhe. Eine 19 Jahre alte Frau war an Hirnhautentzündung  erkrankt und die Mitarbeiter des Amtes  versuchten daraufhin alle  Personen zu ermitteln, die direkt mit der Patientin  Kontakt hatten und empfahlen ihnen  eine Antibiotika-Prophylaxe.

„Man unterscheidet bei der Meningitis   bakterielle und virale Formen“, erklärt Rainer Kollmar, Direktor der Klinik für Neurologie und Klinische Neurogeriatrie am Klinikum Darmstadt. Durch Viren hervorgerufen wird  etwa die von Zecken übertragene  Frühsommer-Meningitis, kurz FSME.   Die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis sind Meningokokken,  Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Sie werden durch Tröpfcheninfektion – etwa durch Niesen oder Husten – von Mensch zu Mensch übertragen.

Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber,  ein steifer Nacken und ein schneller Herzschlag, Übelkeit und Erbrechen – kommen Patienten mit diesen Symptomen in die  Sprechstunde, klingeln nicht nur bei  Kollmar die Alarmglocken.  „Auch Hausärzte reagieren bei einem Verdacht auf Hirnhautentzündung schnell und schicken die Patienten zu uns.“

Im Klinikum werden die Patienten   isoliert und auf Erreger wie Pneumokokken und  Meningokokken getestet.  Es zählt jede Minute.  Die Erreger überschwemmen den Körper, es kann zu einer Schwellung des Gehirns und zu einer Blutvergiftung kommen.   Der Verlauf ist nicht vorhersehbar und kann tödlich enden: „Es kann sein, dass man morgens Symptome entwickelt und abends tot ist“, so der Neurologe. Bis zu vier Prozent der Patienten sterben, kommt eine Sepsis dazu, liegt die Sterberate bei 20 Prozent.
Im Klinikum gelten  bei Meningitis-Patienten hohe Sicherheits-Standards: Isolierung, Kittel, Handschuhe, strikte Händehygiene, Mundschutz.

„Wie bei einem Ebola-Patienten ist es wichtig, dass sich auch das ganze Behandlungsteam vor einer Ansteckung schützt und zur Vorbeugung Antibiotika nimmt“, erläutert Kollmar.  Bestätigt sich beispielsweise der Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis, bekommen die Patienten Antibiotika verabreicht und die Erkrankung wird dem Gesundheitsamt gemeldet, das dann versucht, direkte Kontaktpersonen zu ermitteln, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Die Ärzte  suchen indessen nach der Krankheitsursache.   Das  kann eine eitrige Nasennebenhöhlenentzündung, eine Lungen-  oder eine Mittelohrentzündung  sein, bei der  die Erreger, meist sind es  in diesen Fällen Staphylokokken,  auf die Hirnhaut übergreifen. Die Erreger können aber auch über den Blutweg ins Gehirn gelangen, etwa in Folge  einer Herzklappenentzündung.
Kollmar rät  Kindern  und immungeschwächten Menschen zu einer Impfung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt  allen Kindern im zweiten Lebensjahr eine Impfung gegen Meningokokken-Meningitis vom Typ C.  Seit 2013 gibt es auch eine Impfung gegen  Meningokokken vom Typ B, sie wird jedoch von den Impf-Experten aufgrund einer „unzureichenden Datenlage“ bislang nicht empfohlen.

Weitere Infos zum Thema gibt es  auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (www.infektionsschutz.de), beim Robert-Koch-Institut  in Berlin unter www.rki.de und unter www.gemeinsamgegenmeningokokken.de

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